Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

392 Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.
hierin denn doch ganz einfach eine VermögenSconfiScation, wie
solche gegen jeden völlig unabhängigen Mann im gleichen Falle
hätte verhängt werden können, und kann hieraus nicht geschloffen
werden, daß dem Verräther an seinem Gute von Anfang an nur
das Nutzeigenthum zugestanden habe; im Gegentheil zeigte der
Umstand, daß eine däroditss agrorum ihm überhaupt eonfiscirt
iverden konnte, daß sein Besitzstand keineswegs nur durch die
Gnade seines königlichen Herrn bedingt war. Wenn ferner ein
Gefolgsmann einmal mit Genehmigung seines Herrn ein Stück
bocland kauft, 1) so dürfen wir hieraus nicht schließen , daß ein
solcher an und für sich des Erwerbes und Besitzes von Grund-
eigenthum unfähig war; wäre dieß der Fall gewesen, so hätte
ihm keine Erlaubniß deS Herrn dem Landrechte gegenüber diese
Fähigkeit verleihen können, und es ist daher aus diesem Vor-
kommnisse höchstens zu schließen, daß die Gefolgsleute aus Achtung
vor ihrem Herrn wichtigere Geschäfte, zu deren Abschluß sie
übrigens landrechtlich vollkommen befähigt waren, nicht leicht ohne
dessen Rath und Genehmigung abzuschließen pflegten. Ebenso-
wenig glauben wir daraus, daß nicht selten zu letztwilligen Ver-
fügungen die Genehmigung des Königs erbeten, und allenfalls
sogar durch pecuniäre Opfer erkauft wird, 2) auf die Unfähigkeit
der Gefolgsleute zum Besitz von Eigenthum oder zu Verfügungen
über solches schließen zu dürfen. Solche Gesuche wurden nämlich
nicht nur von Gefolgsleuten, sondern auch von ganz anderen Per-
sonen, z. B. von Weibern, an den König gerichtet; letztwillige
Verfügungen scheinen eben nach angelsächsischen wie nach anderen
germanischen Rechten etwas Ungewöhnliches, vom Landrechte nicht
Anerkanntes gewesen zu seyn, und man suchte darum hier wie
anderwärts durch feierliches Verfluchen aller Zuwiderhandelnden
oder durch Erbittung der Garantie des Königs und anderer mäch-

Cod. dipl. num. 343. Vielleicht ist bei dieser, übrigens nicht
einmal unverdächtigen, Urkunde auch darauf Gewicht zu legen, daß die
Urkunden, auf denen die Besitztitel und Privilegien des Veräußerers
beruhten, durch Brand untergegangen waren; die durch die Gnade des
Herrn bewirkte „Amvrtisirung" derselben war somit für die Möglich-
keit eines sicheren Kaufsabschluffes wesentliche Vorbedingung.
Beispiele bietet Kemble, I, S. 181—2.

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