Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

384 Die neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte
2) Wir finden bei der confessio in iure ein arbitrium liti
aestimandae, wo die confessio nicht auf certa pecunia lautet;
durch die confessio wird aber in diesen Fällen die Sache genau
auf den Standpunkt gebracht, auf den sie im Legisaetionenproeeß
durch das Urtheil gestellt wurde; daraus ist aber ein Schluß auf
eine ähnliche Einrichtung auch im Fall des Urtheils gerechtfertigt.
3) Der Hauptgrund iü der, daß wir im Formularproeeß
dieselbe Gliederung des Verfahrens finden, wie sie von uns im Ver-
lauf dieser Abhandlung für den Legisaetionenproeeß nachgewiesen
worden ist. Der iudex wird angewiesen, zuerst zu untersuchen,
ob das Recht des Klägers begründet sey (si paret rem (ius)
actoris esse — si paret reum dare oportere — quidquid paret
reum actori dare facere oportere). Der Schlußpunkt dieser Unter-
suchung entspricht dem Urtheil im Legisaetionenproeeß, und zwar
auch da, wo nicht, wie bei den in rem actiones, eine besondere
pronunciatio erfolgte, und daran reiht sich überall, wo der An-
spruch des Klägers nicht von vornherein auf certa pecunia geht,
die Anordnung, das Resultat dieser Untersuchung, falls dieselbe
zu Gunsten des Klägers ausgefallen, mit andern Worten, das
praktische Object der Klage in Geld zu verwandeln und in dieses
schließlich den Beklagten zu verurtheilen: quanti ea res est (erit)
condemna — quidquid dare facere oportet, eius condemna —
hier haben wir klar das arbitrium, liti aestimandae, ja es fehlt
sogar der Name nicht, indem jene Function des iudex, wie ihr
Ergebniß, ja bekanntlich technisch litis aestimatio heißt.
Umgekehrt beweist dann die eben dargelegte Gliederung des
Formularverfahrens auch selbst wieder rückwärts, daß wirklich in
den Fällen, in welchen es zur Erecution eines Anspruchs kam,
der nicht schon vornherein auf Geld ging, im Legisactionen-
proceß eine Verwandlung in Geld nöthig war, und daß die con-
demnatio in rem ipsam nicht in Stintzings Sinn zu nehmen
ist; denn nur die von uns geltend gemachte Anschauung bringt
auch in die Entwicklung dieser Partie des römischen Procesfes
diejenige Stetigkeit und Gleichmäßigkeit, die wir dort überall sonst
finden und deßhalb überall voraussetzen müssen. Stintzing's
Meinung über die condemnatio in ipsam rem führt in Beziehung
auf daS Object der condemnatio zu einem Sprung von dem
Legisaetionenproeeß zum Formularproeeß und der hier üblichen

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