Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

370 Die neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte
nicht von Kläger und Beklagtem die Rede, da beide genau mit
denselben Reden und Handlungen activ austreten, wie denn auch
Gajus (I V. 16) offenbar absichtlich nicht von actor und reus
spricht, sondern nur von dem „qui vindicabat, qui prior vin-
dicaverat“ auf der einen, und von dem „adversarius,“ dem „alter“
auf der anderen Seite.
Hiernach konnte das Urtheil auf gar nichts anderes lauten
als auf: res Agerii est oder non est, was nur formell indirect
ausgedrückt wurde: sacramentum Agerii iustum est etc.
Hätte der iudex eine condemnatio ausgesprochen, mit andern
Worten dem Beklagten eine Leistung auferlegt, so wäre er weit
hinausgegangen über den durch den solennen Ritus der legis
actio sacramento genau bestimmten Gegenstand des Streits, eine
Ausschreitung, die sich am allerwenigsten verträgt mit dem ganzen
starren, unbiegsamen, wesentlich durch die solennen Worte und
Handlungen der Parteien in iure bestimmten Charakter des Legis-
actionenprocesseö überhaupt und des Sacramentsprocesseö ins-
besondere. Ist nun demgemäß im alten Vindicationsproceß eine
condemnatio überhaupt nicht möglich, so kann es selbstverständlich in
demselben auch eine condemnatio in ipsam rem nicht gegeben
haben, und kann Gajus IV. 48. auch nicht von einer solchen
sprechen, vielmehr muß diese Stelle einen andern Sinn haben;
wir wollen es auch nicht umgehen, zu untersuchen welchen?
Die intentio der legis actio sacramento in personam lautete,
soviel wir wissen: aio te mihi dare oportere, bei Delictsklagen: ajo
te mihi damnum decidere oportere; sie forderte also eine Leistung
vom Beklagten und damit wäre natürlich eine condemnatio ganz
wohl vereinbar gewesen; gleichwohl dürfen wir eine solche nicht
annehmen, denn eine ganze Reihe der gewichtigsten Stellen spricht
bei solchen persönlichen Klagen nur von einem iudjcatus, nicht
von einem condemnatus.
Uv. XXIII. 14. Gell. XX 4.
Gai. III. 78. Gai. IV. 2.
Dieses Ergebniß spricht zugleich im höchsten Grade für unsere
Ansicht von der Form deS Urtbeils im Sacramentsproeeß über-
haupt, daß dasselbe nur indirect gelautet habe: utrius sacramen-
tum iustum, denn hätte es in ipsam rem im Sinne St.'S ge-
lautet, direet auf das streitige Object selbst, dann wäre bei den

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer