Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

des römischen ClvllprocesseS. A53
große formelle Bedeutung des sacramentum und auf Cicero pro
Caecina 33.
An diese Argumente knüpft Stintzing seine Erörterung an, die
vorwiegend den Zweck verfolgt, zu zeigen daß das juristische
Wesen der legis actio sacramento von. dem des Verfahrend per
sponsionem praejudicialem durchaus verschieden gewesen sey, also
vornehmlich gerichtet ist gegen die Analogie der sponsio praeiudi-
cialis, und die beiden anderen Argumente, nämlich die formelle
Bedeutung des sacramentum und die Quellenbelege dafür, daß
das sacramentum eine Wettsumme gewesen und die förmliche
Aufgabe des Richters nur in der Entscheidung über diese Wett-
summe bestanden habe, nur beiläufig bekämpft.
Was Stintzing geltend macht, ist nun im Einzelnen folgendes.
In §. 2 wird ausgeführt:
1) Die sponsio ist ein Vertrag, der Act der SacramentS-
bestellung dagegen eine rein einseitige Handlung jeder Partei für
sich, bestehend ursprünglich in der baaren Hinterlegung der summa
sacramenti, später, als die Versicherung durch praedes an die
Stelle der Hinterlegung getreten war, in dem Gebrauch der Pro-
vocationsformel, also in dem: sacramento te provoco. Diese
Aufforderung an die Gegenpartei hatte keineswegs die Bestellung
des Saeraments von deren Seite zum Zweck, heißt nicht: „Ich
rufe dich auf zum sacramentum," sondern ist das Mittel durch
welches man den Gegner wirksam zum Streit aufruft; heißt also:
„Ich rufe dich auf durch sacramentum," nämlich dadurch, daß ich
das sacramentum meinerseits bestelle. Diese Bestellung ist in der
späteren Zeit gelegen eben in dem Gebrauch der ProvocationS-
formel selbst, indem dadurch gerade jede Partei dem Aerar un-
mittelbar zur Zahlung der Sacramentösumme für den Fall ihres
Unterlkegens verhaftet wurde.
Nur diese Ansicht macht eS begreiflich, daß in den Be-
schreibungen des Rituals der legis a. s. nirgends ein besonderer
Act der Bestellung des Saeraments durch besondere Uebernahme
der Zahlungspflicht dem Aerar gegenüber erwähnt wird.
Außerdem müßte, wenn die provocatio eine provocatio zum
sacramentum gewesen wäre, eine Erklärung des Aufgeforderten
über seine Geneigtheit dazu erfolgt seyn, wovon wir nichts wissen.

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