Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

342 Dle neuesten Leistungen auf dem Gebiet der Geschichte
genden versucht werden soll. Da diese Uebersicht eine kritische
ist, so schließt sie nothwendig selbständige Erörterungen ein; ohne
Begründung gibt es keine wahre Kritik. Vielleicht gelingt es,
in dieser Form zur Erledigung wichtiger Fragen beizutragen.
Keller stellt in dem ersten Capitel seines Buchs die Gerichts-
verfassung dar, und beginnt mit der Entwickelung des Grund-
gedankens derselben (§. 1). Dieser Grundgedanke concentrirt sich
in folgenden Sätzen:
1) Die Civilrechtspflege war ein einzelnes Attribut der höchsten
Magistratsgewalt, unsere Trennung der vollziehenden und richter-
lichen Gewalt war dem römischen Staatsrecht unbekannt. Das
ist unzweifelhaft richtig, aber nicht unerheblichen Zweifeln möchte
die PemerkuM unterliegen, auch nach Creirung der Prätur sey
das Recht der Jurisdiction den Consuln keineswegs abgesprochen
worden, und eS hänge mit der Jurisdictionsbefugniß der Consuln,
sowie der übrigen Prätoren (d. h. außer dem urbanus und pere-
gsi'nvs) zusammen, daß der rechtsprechende Magistrat selbst inner-
halb seiner ordentlichen Competenz gegen einen höheren und gleichen
Magistrat kein Imperium ausüben könne.
Die Annahme eines fortdauernden Jurisdictionsrechts der
Consuln ist nämlich nicht vereinbar mit den Gründen, die nach
NiebuhrS überzeugender Ausführung gerade die Schaffung der
Ppätur herbeigeführt haben und darin bestanden, daß, als dem
Andxingen der Plebs um Zulassung zum Consulat nicht mehr
Widerstanden Herden konnte, die Patricier doch die in dem Con-
sulat bis dahin mitbegriffene Jurisdiction ausschließlich sich retten
wollten, wie denn auch wirklich unter allen Magistraturen die
Prätur am spätesten (417 0- kudljus Philo) den Plebejern zu-
gänglich wurde. Dieses Argument wird auch nicht aufgewogen
durch Cie. de leg. 3, 3 und Val. Max. 7. 7, 6, auf welche sich
K. bezieht, denn die letztere Stelle (offenbar die wichtigere, auf
die sich auch Niebuhr beruft für die Fortdauer einer gewissen
höheren Jurisdictiyn der Consuln, röm. Geschich. III, 39) gibt
lediglich einen Fall der Intercessio eines Consuls auf die an ihn
ergangene Appellatio gegen die Ertheilung erst einer bonorum
possessio, dann einer Erbschaftsklage durch einen Prätor (vgl.
Savigny, System Bd. 6 S. 493); die erste Stelle gibt lediglich
eine Erklärung des alten Namens : Judices für die Consuln.

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