Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Die wirthschaftliche Rechtsordnung der deutschen Dörfer. 305
daß die Verschiedenheit in der Größe nur scheinbar sey, weil dieselbe
lediglich auf der Verschiedenheit der Qualität beruhe."
Getrennt vom Ackerfeld ist das Wiesland, welches wieder
zu Sondereigenthum vertheilt ward. Bald werden die Wiesen, oft
auch an verschiedenen Orten gelegen, mit den Aeckern als Bestand^
theile der Hube erklärt, bald diesen als der Hube im vorzüglichen
Sinn entgegengesetzt. Jede Hube erhielt aber in beiden Fällen
einen gleichen Antheil Wiesen. Als ein Nebenbestandtheil oder
eine Zubehör der Hufe wird überdem oft der Bünde erwähnt,
welche eingeschlossen und gewöhnlich zu Gemüsegärten vertheilt
sind.
Die gewöhnliche Form der Zutheklung dieser Huben unter die Dorf-
und Markgenossen war die Verlosung, welche wieder gleiches Recht
aller voraussetzte. Deßhalb heißt die Hube auch das Los oder
Losgut. Auch später noch finden wir die Verlosung geübt.
Ein auch in andern Beziehungen noch interessantes Beispiel auö
dem XVIten Jahrhundert findet sich in dem Weisthum von Töß.
(Grimm, Weiöth. I. S. 133). Die Dorfgemeine Töß nämlich
hatte den Hof Tätnow angekauft, und theils zur Erweiterung ihrer
Almende theils zur Vergrößerung der Sondergüter verwendet. Dabei
machte sie folgende Ornung: „Als wir dann den Hof Tätnow under
uns geteylt, sond äker, wisen vnd holtz unverendert beliben, wie
das los yedem geben hat, und damit vnser weidgang nüt
merklich geschwecht werde, so sol keiner vsserthalb den Zelgen
kein riet wäder in holtz noch Feld inschlachen vnd zu wisen machen;
so es aber in zelgen inschluge oder us äkeren wisen machte,
mag er die zu den nützen höwen und embden, aber zu der
brach mit der zelg under gan lassen"
Die anerkannte Gleichheit der Lose und Huben hat Waitz
(S. 113) zu der Vermuthung veranlaßt, daß Tacituö eine
Ungenauigkeit begangen, als er in der bekannten Stelle der Ger-
mania C. 26 sich äußerte: agri — occupantur, quos mox inter
se secundum dignationem partiuntur. Allein die Wahrnehmung
des scharfsichtigen Schriftstellers ist genau und richtig, wenn man
die Bodenvertheilung im Großen bedenkt, nicht die Ackervertheklung
unter die Dorfbauern, welche unter sich gleiche Werthung (eandem
dignationem) haben. Jene richtete sich nach dem Stande der
Besitzer. Der Fürst erhielt eine Domäne, und selbst die klestttnr

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