Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Die wlrthschaftllche Rechtsordnung der deutsche« Dörfer. WZ
Je nach der Lage aber des zum Bau geeigneten BodenS und
der Ausdehnung des Dorfes gab es wohl auch mehr als drei
Fluren, ohne daß deßhalb die Dreifelderwirthschaft selbst sich änderte-.
Es wurden dann je nach Umstanden zwei Fluren in einem Jahr
als Kornzelg oder als Haferzelg bebaut oder brach liegen gelaffen.
Jede Flur blieb ein zusammenhängendes landwirthschaftlicheS
Ganzes, obwohl sie hinwieder in A eck er zerlegt war, und diese
unter die einzelnen Dorfgenoffen zu eigenem und festem Rechte
vertheilt wurden. Die Einheit des Ganzen zeigt sich theilS
darin, daß wohl die ganze Flur von einem gemeinsamen Flur-
zaun umschlossen, auch wohl gemeinsam in feierlichem Zuge um-
gangen ward (Flurumgang, Flurumritt), nicht aber die einzel-
nen Aecker umfriedet werden durften, theils in der gleichmäßi-
gen und insofern gemeinsamen Bebauung der ganzen Flur,
so daß je der eine Nachbar die Interessen des andern berücksichtigen
mußte. Die THeilung des Ganzen war aber insofern über-
wiegend, als die Aecker ein- für allemal dem Sonderrecht der
einzelnen Dorfgenossen anheimgegeben und ebenso dem Sonder-
bau und Sondergenuß derselben überlassen wurden. Jeder
Dorfbauer bekam mindestens in drei Fluren seine Sonderäcker;
denn die Aecker wurden, wie die Fluren zu denen sie gehörten,
alljährlich in dreimaligem Wechsel verschieden behandelt, und muß-
ten daher in verschiedenen Zelgen liegen.
3) Außer den Fluren blieb noch unver theiltes Land
übrig, die gemeine Waldung und die gemeine Weide, die keines
besondern Baues bedurften, und daher auch nicht stückweise den
einzelnenDorsbauern überlassen wurden, die sogenannte Almende,
die gemeine Mark. Die Nutzung derselben blieb wohl den
Dorfgenossen verstattet, aber allen zumal, und in Gemeinschaft.
Gewöhnlich lag die Almende (die gemeine Waldung inbegriffen)
außerhalb der Feldfluren, die näher am Dorfe waren, und jene
nach innen begränzten. Ob auch die äußern Gränzen (Mar-
ken) der Almende bestimmt waren oder nicht, hing von den Um-
ständen ab. In wenig bevölkerten Gegenden, oder wo sich die
Almende, wie im Hochgebirge, in die rauhe Wildniß verlor, gab
es anfänglich wohl gar keine äußern Marken der Almende. Sie
selbst war die weithin ausgestreckte Mark für die bebauten Felder»
Es gingen in alter Zeit auch die Atmenden benachbarter Dörfer

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