Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Heber den Cigenthnmsübergang bei dem handelsrechtlichen Kaufe. 299
erstem das Analogon deS letzteren fey. Die Ansicht von Treischke,
daß die Uebertragung des Eigenthums erst erfolge, wenn einer-
seits der Verkäufer dem Käufer die Waare in der Absicht, ihn zu
deren Eigenthümer zu machen, übergibt, anderseits der Käufer daS
Kaufgeld bezahlt, oder der Verkäufer ihm deßhalb Glauben geschenkt
(also creditirt) hat; — diese Ansicht ist eigentlich nur eine Zergliede-
rung des an die Spitze dieser Abhandlung gestellten Grundsatzes, und
kann daher, besonders für den zweiten Theil, ihren Anhaltspunkt
nur in dem Herbeiziehen der Factura finden.
Der ganzen bisherigen Darstellung lag der Gedanke einer-
seits eines Kaufes unter Abwesenden, anderseits eines Kaufes
auf Credit zu Grunde. Wenn auch ersteres hauptsächlich den
eigentlichen Großhandel, der Creditkauf ferner unbedingt die Regel
gegenüber dem Baarkaufe bildet: so sollen doch, um der Voll-
ständigkeit willen, auch die entgegengesetzten Voraussetzungen zu
Grunde gelegt und auch bei diesen und ihrer Verbindung die
Stichhaltigkeit der vertheidigten Theorie gezeigt werden.
Denken wir uns daher fürs erste einen zwischen Abwesen-
den unter der Bedingung von Baarbezahlung geschlossenen
Kauf,' so fragt sich: wann soll die Baarbezahlung erfolgen? Viel-
leicht erst nach geschehener Ankunft der Waare beim Käufer?
Eine solche Baarzahlung könnte unter Umständen für den Ver-
käufer nachtheiliger werden, als ein Credit auf einige Wochen
oder Monate! Nein! Eine bedungene Baarzahlung muß nach
ganz allgemeiner Handelssitte erfolgen mit dem Empfange
der Factura. Ja sogar, der Tag der Ausstellung der
Factum wird als maßgebend angenommen, denn von diesem Zeit-
punkte an werden allfällige Verzugszinsen berechnet.* 2) WaS kann
nun aber in diesem Falle die Factura für eine andere Bedeutung
haben, als daß der Verkäufer durch ihre Uebergabe dem Käufer
die Waare tradiren, ihn zum Eigenthümer machen will? denn

*) Kaufeontract S. 199.
2) Diese ganz constante Uebung liefert den besten Beweis, welche
Bedeutung der Factura beigelegt wird, und wie wenig der Handelsgebrauch
geneigt ist, in deren Uebergabe und Empfang etwas bloß Symbolisches
zu sehen. Es ist etwas Wirkliches, Reelles, das auch wieder seine
reellen Folgen hat.

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