Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Heber den Skgenthumsübergang bei dem handelsrechtliche» Kaufe. 277
ist gegen eine symbolische Tradition, weil, „wenn man nach deutschem
Rechte eine solche statuiren wolle, eS im einzelnen Falle wesentlich
sey, daß nach der Meinung der Interessenten die Handlung eine
symbolische Handlung seyn soll." Wenn wir nun auch oben über-
haupt die Nothwendigkeit der Annahme einer symbolischen Tradition
geläugnet haben, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß durch
die bestimmte Willensäußerung der Contrahenten jede andere Hand-
lung zu dieser Bedeutung erhoben werden kann, und eS wird sich
unten Gelegenheit bieten, zu zeigen, daß Handlungen als solchen,
die in Wahrheit erst durch den übereinstimmenden Willen dst In-
teressenten als Tradition qualificirt werden können, irrthümlich
diese Traditionsfähigkeit und doppelt irrthümlich sogar eine sym-
bolische von vorneherein beigelegt wird.
Die Frage nun aber, welches diese Handlung sey, wird von
den verschiedenen Schriftstellern verschieden, sowohl in Bezug auf
ihre mögliche Zahl als auf ihre Art, beantwortet. Ein Moment
findet sich fast durchgehends in allen Abhandlungen über unsere
Frage *): eS ist dieß der Moment deS Aufsetzens von kauf-
männischen Zeichen. Gerade diese Ansicht rechtfertigt obige
Bemerkung; sie beweist, daß einer Handlung als solcher bestimmte
Zwecke unterschoben werden, die sie in der Thal erst durch hinzu-
kommende äußere Einflüsse zu realisiren vermag. M läßt sich
allerdings nicht läugnen, daß mit diesem Aufsetzen von kaufmänni-
schen Zeichen der Zweck einer Tradition verbunden werden kann;
allein soll eine solche Handlung diese Wirkung in Wahrheit haben,
so ist dazu noch zweierlei nöthig. Fürs erste darf sie jedenfalls
nicht einseitig vom Verkäufer vorgenommen seyn, denn es kommt
bei der Uebertragung des Eigenthums ebenso sehr auf die Absicht
deS Empfängers an, Eigenthümer zu werden, als auf diejenige
des Tradenten, Eigenthum zu verleihen. Jene Absicht des Em-
pfängers kann aber bei einer einseitigen Vornahme von Seite de-
Tradenten jedenfalls nicht als stillschweigend zugegeben angesehen
werden. Fürs zweite muß, wenn dieses Aufsitzen auch mit Wissen

t) So bei Bender, Grundsätze des deutschen Handlungsrechtes
Dd. 1. S. 190. — Weiske, Rechtslerikon Bd. 6. S. 52. — Mitter-
maier, deutsches Privatrecht $. 565. — PöhlS Darstellung des ge-
meinen deutschen und des Hamburger Handelsrechtes Bd. t. S. 179.

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