Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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lieber den Begriff der Autonomie.
Deutung als diese letzte absolut nicht zu, und es hielte nicht
schwer, deren Anzahl beliebig zu vermehren; eben in Bezug auf
ihren derartigen Inhalt bedürfen aber, nicht nur der älteren, son-
dern auch der neueren Theone gegenüber die adeligen Hausgesetze
einer näheren Beleuchtung. Es wurde gelegentlich bereits der
Satz ausgesprochen, daß jede Erzeugung eines Rechtssatzes eine
öffentliche Gewalt voraussetzt, von welcher dieselbe ausgeht; die
Gewalt des Privaten als solchen kann sich über freie Personen
nicht erstrecken, daher in ihr die Entstehung von Rechtssätzen, an
deren Beobachtung andere gebunden wären, nicht wurzeln: in
einer Privatgewalt kann nur die Wurzel subjektiver Befugnisse, die
Wurzel objektiver Rechtsregeln dagegen nur in einer öffentlichen
Gewalt liegen, deren Existenz wieder die Existenz einer öffentlichen
Gesellschaft voraussetzt, aus welcher jene hervorgeht. Welches
nun aber die Verbindung sey, von welcher das eigenthümliche
Recht der hochadeligen Häuser sein Daseyn empfängt, kann nicht
zweifelhaft seyn. Jeder einzelne Satz dieses Rechtes, soweit solches
überhaupt ein geschriebenes ist, gründet sich auf ein bestimmtes
Hausgesetz oder einen Familienvertrag, durch welchen er in ver-
bindlicher Weise festgestellt worden ist; seine verpflichtende Kraft
zieht er aus der Bedeutung eben dieses einzelnen Actes, seine
Wirksamkeit beschränkt sich auf die Angehörigen des betreffenden
einzelnen Hauses. Soferne nun Rechtssätze nicht durch die bloße
Willensäußerung von Privaten entstehen können, müssen die voll-
berechtigten Familienangehörigen, welche den Familienvertrag ab-
geschlossen haben, muß das Familienoberhaupt, das etwa ein
Hausgesetz einseitig erlassen hat, in anderer Eigenschaft als in
privatrechtlicher gehandelt haben, nämlich in Vertretung einer
öffentlichen Verbindung, welche hier keine andere als die Familien-
genossenschaft seyn kann. 1) Bereits in der ältesten Zeit waren die
verwandtschaftlichen Verbindungen in Deutschland durchaus selbst-
1) Ob der Familiengenossenschaft die Eigenschaft einer juristischen
Person beizulegen sey oder nicht, kommt dabei in keiner Weise in Frage;
hier handelt es sich um deren Bedeutung im öffentlichen, nicht um ihre
Rechtsfähigkeit im Privatrechte. Auch im öffentlichen Rechte aber der
verwandtschaftlichen Verbindung ihre juristische Bedeutung abstreiten
zu wollen, wird Hr. G. selbst bei näherer Ueberlegung wenigstens der
deutschen Rechtsgeschichte gegenüber schwerlich wagen wollen.

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