Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

*248 Heber den Begriff der Autonomie.
den ausgeprägt,'und den nach Ort und Zeit wechselnden Bedürf-
nissen gegenüber schmiegsam; dennoch aber scheint es durchaus un-
zulässig, den Widerstand des Adels gegen die neue Wendung der
Dinge mit dem Hrn. Vers, auf die Aenderung in der Art der
Rechtsbildung zurückzuführen. Einer Codifieation des einheimi-
schen Rechts hätte der deutsche Adel mit ziemlicher Ruhe zusehen
können, wie sich denn auch keine Spur von einer Opposition des-
selben gegen das steigende Ansehen der deutschen Rechtsbücher
zeigt; 4) die specifisch römischen Institute des Sachenrechts, und
zumal des Familien- und Erbrechts, die Lehre von den Te-
stamenten und der Jntestaterbfolge, die Gestattung der freien
Verfügung über liegende Güter und somit auch über Land und
Leute u. dergl. m., drohten dagegen seine ganze politische Stel-
lung zu untergraben, und sie mußten darum dessen entschie-
densten Widerspruch Hervorrufen. Mit einem Worte: nicht um
den formalen Charakter der Rechtsbildung mußte es sich zu-
nächst für den Adel handeln, sondern um die Erhaltung der ma-
teriellen Normen des angestammten gegenüber den für ihn politisch
gefährlichen Sätzen des fremden Rechts. Neben der Neception
des römischen Rechts machte sich ferner, was Hr. G. freilich
völlig außer Acht gelassen hat, ungefähr gleichzeitig noch ein wei-
terer Umstand geltend, der, in ähnlicher Richtung wirkend, der Fort-
bildung des Adelsrechtes eine eigenthümliche Wendung zu geben
geeignet war. Durch den ursprünglichen Amtscharakter der Graf-
schaften und Herzogthümer, dann auch durch die positiven Regeln
des deutschen Lehnrechts war die einheitliche Succession in die
Territorien wesentlich gesichert gewesen, mochte nun, wie dieß im
allgemeinen bei Lehen üblich war, 2) die Bestimmung des Suc-

*) Trugen doch im Jahre 1653 einzelne Häuser geradezu auf die
Errichtung eines allgemeinen Primogeniturgesetzes für die hochadeli-
gen Häuser an (Pütter, Erörterungen und Beyspiele des Teutschen
Staats- und Fürstenrechts, k, 143, not.); und wenn der Antrag
auch abgelehnt wurde, um nicht andern Hauser zu präjudiciren, so
zeigt doch die Thatsache daß er überhaupt gestellt werden konnte, daß
die Rücksicht auf größere Dispositionsfreiheit in Ordnung der An-
gelegenheiten des- einzelnen Hauses wenigstens nicht die vorwiegende
Triebfeder bei dem Widerstand des Adels gegen das fremde Recht war.
2) Vgl. Homeper, System des Lehnrechts, S. 455—6, u. 882—3.

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