Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

244 Ueber den Begriff der Autonomie.
damit nicht etwa erst dem Statute rechtsverbindliche Kraft ver-
schafft, sondern nur ein formelles Anerkennlniß, daß durch das-
selbe die Rechte des Herrn nicht verletzt feyen, und allenfalls
eine Garantie gegen anderweitige Anfechtungen desselben ge-
wonnen werden. Daß übrigens durch die Uebung solcher Auto-
nomie fremde Rechte nicht gekränkt werden durften, verstünde
sich von selbst, auch wenn ein besonderer Vorbehalt deßfalls nicht
gemacht wäre; *) ebenso, daß die der Autonomie gezogenen Gränzen
selbst wieder durch das Recht eines höheren, das autonome
Gebiet umfassenden Rechtsgebieteö bestimmt wurden. Wie die
Befugniß des Individuums, seine eigenen Rechtsverhältnisse nach
Willkür zu ordnen, auS seiner Freiheit fließt, so die Befugniß
der öffentlichen Verbindungen, die ihrigen beliebig zu regeln,
auS ihrer Freiheit; wie dort das Recht überhaupt, so setzt hier
daS Recht übergeordneter Vereine jener Freiheit ihre Schranken,
während solche zugleich beidemale durch die wohlerworbenen
Rechte anderer Individuen oder Vereine gezogen sind. Daß sich
aber die rechtliche Freiheit des Individuums in der Erzeugung
subjectiver Befugnisse, die rechtliche Freiheit der öffentlichen Gesell-
schaften wenigstens möglicherweise auch in der Erzeugung objectivcr
Rechtsregeln äußert, liegt eben in der verschiedenen Stellung
dieser und jener nothwenig begründet.
Folgt man nun Hrn. G. in die spätere Zeit herab, so wird
es vor allem nothwendig, die Wirkungen der Reception des
römischen Rechts etwas schärfer ins Auge zu fassen. Zunächst
hat diese den früheren Rechtszuständen gegenüber offenbar eine
doppelte Bedeutung: einmal nämlich setzt dieselbe ein geschriebenes
Recht ap die Stelle des bisher vorwiegenden Gewohnheitsrechtes,
und ändert somit den formalen Gang der Rechtsbildung; — so-
dann aber bringt dieselbe anstatt des einheimischen ein nationell
fremdes Recht zur Herrschaft, und ändert hiedurch auch den
materiellen Inhalt der Rechtsordnung in Deutschland. Die eine

') Vgl. indessen z. B K. Albrechts Landfrieden von 1303, §. 38,
(Pertz, IV, 483)! Von Satzung machen. Wir wellen auch und gepieten
vestiglich, das kain stat kain sazung mach oder mit kamen Sachen
die dem reich schedlich sein in kainem seinem rechten oder irem
herren des die stat ist.

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