Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

lieber den Begriff der Autonomie. 243
Dienstmannen Recht,*) oder es geschieht dieß auch wohl consilio
curiae et consensu communi ipsorum ministerialium; * 2) Hs,f-
rechte werden von dem Hofherrn gegeben, allenfalls cum con-
silio cleri et militum et totius familiae,3) oder die Herrschaft
wählt aus ihren Gemeinden Leute aus, damit diese deren Rechte
und Pflichten auf ihren Eid niederschreiben, 4) u. dgl. m.
Ebenso ist bekannt, daß auch die Gilden sich selbst ihr Recht zu
setzen pflegten, und daß die Verbote, welche hiegegen gerichtet
wurden, theils nur politische Motive verfolgten, theils auch nicht
durchdrangen; sehr frühe Beispiele derartiger Willküren hat neuer-
dings aus angelsächsischen Quellen Kemble gesammelt, wie früher
Wilda aus dänischen. Allerdings läßt sich nicht läugnen, daß
derartige Willküren theilweise nur Bestimmungen über subjective
Befugnisse enthalten, also nur bestehendes Recht anwenden, nicht
neues schaffen; daß dieselben ferner großentheils nur geltendes
Gewohnheitsrecht aufzeichnen, nicht willkürlich neues Recht setzen.
Aber neben der Regelung der subjectiven Rechte enthalten die-
selben zumeist eben doch auch objectiveö Recht, und die Auf-
zeichnung des Herkommens trägt, soferne ihr officielle Geltung
beigelegt ist, wenigstens formell, den Charakter einer wahren
Gesetzgebung; in sehr vielen Fällen ist überdieß das Recht der
einzelnen Verbindung, Rechtssätze zu schaffen und abzuschaffen,
ganz ausdrücklich anerkannt. Daß in der Abfassung solcher Will-
küren Autonomie im Sinne einer wahren Selbstgesetzgebung ge-
übt wurde, ist demnach klar; wenn bei deren Erlassung seitens
der Städte oder anderer Communen gerne die Bestätigung des
Kaisers oder des Landesherrn eingeholt zu werden pflegte, so wollte

verwandeln ane sinen willen," Urk. von 1293, bei Schreiber, Urkunden-
buch der Stadt Freiburg im Breisgau, I, 1,133, u. dgl. m. Man
vgl. noch etwa, was Warnkönig, Flandrische Staats- und Rechtsgeschichte,
I, 387 u. s. w. von den Keuren bemerkt.
*) Wie z. B. Graf Otto von Teklenburg; siehe Freih. von Fürth,
die Ministerialen, 528—32.
2) So in Hennegau; ebenda, 533.
3) So z. B. Burkhard's Statuta kamiliae 8eti. Petri, bei Walter,
Corpus jur. Germ. III, 775.
4) Ein frühes Beispiel bietet das Andlauer Hofrecht von 1284,
bei I. Grimm, Weisthümer, I, 822.

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