Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Das römische und deutsche Recht ic.

225

Formulirung der Rechtssätze einfacher und lichter werden, das Ver-
ständniß der Rechtsinftitute und Rechtsbegriffe leichter, die Fassung
populärer, das Studium erfrischender und erhebender, der Zu-
sammenhang mit den übrigen Wissenschaften lebendiger werden, t
und aus diesem Ergebniß die wahre und ächte Praxis der Rechts- °
Wissenschaft, welche auch die ächte und wahre Theorie derselben!
ist, erblühen. ^
Dieß alles ist's auch, was Jhering andeutet, wenn er von
der Naturlehre des Rechts redet, was Lenz vorschwebt, wenn er
mit wunderlichen Sprüngen uns in das Diorama hereinnöthigt,
in welchem er in ungesichteter Folge eine Reihe von Bildern
naturhistorisch-anthropologischer Processe vorführt und das Füllhorn
seiner letztjährigen Ercerpte über die logisch-historische Genesis der
Völker, Nationen und Racen vor uns mit einer Maßlosigkeit aus-
schüttet, daß es nur dem beharrlichsten Muthe gelingen kann sich
hindurchzuarbeiten.
Auch Esmarch hat sich in dem Schlußtheile seines Aufsatzes
auf den Pythischen Dreifuß gesetzt und uns einige Andeutungen
über der deutschen Rechtswissenschaft und des modernen Rechts-
lebens Zukunft gegeben. Wird sich aber, möchte ich fragen, der
von ihm gepriesene Jhering aufrichtig dafür bedanken können,
wenn ihm mit seinem Buche über den Geist des röm. Rechts bei
seinem Bewunderer nichts weiter gelungen ist, als diesen zu dem
Ausrufe zu bringen, daß das röm. Recht aus sich selbst heraus
neue Keime zu treiben unfähig, und unendlich weit davon entfernt
sey, auf den Charakter eines absoluten Vernunftrechts Anspruch
machen zu können; und daß, wer nicht mit den Augen eines En-
thusiasten, sondern mit dem unbefangenen Blick des Wahrheit
Suchenden im Gebiete des classischen röm. Rechts sich umschaue,
sehr bald die Entdeckung machen werde, wie das röm. System
höchstens ein in sich vollendetes, keineswegs aber ein selbst nur
den einfachen Forderungen des praktischen Verstandes, der un-
bestrittenen Rechtsüberzeugung der heutigen Welt entsprechendes
genannt werden könne iS. 1043 a. a. £>.)?
Es drängt mich, zu bekennen daß ich andere Ansichten über
den Werth des röm. Rechts aus dem Studium desselben gesogen
habe, und daß, so weit ich bis jetzt die Anschauungen und Be-
dürfnisse gerade des modernen Verkehrslebens beobachtet und

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer