Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Das römische und deutsche Recht re. 199
Religion und Staat haben sich bereits getheilt. Das Jus ist
Menschensatzung und als solche veränderlich, bildsam. DaS kss
hingegen stützt sich auf den Willen der Götter, ist also unabänder-
lich, insoweit nicht die Götter selbst eine Neuerung belieben; die
Uebertretung desselben enthält einen Frevel gegen die Götter.
Mit dem Fas blickt das röm. Recht nach dem Orient, mit dem
Jus nach dem Occident; jenes ist die stabile, dieses die progressive
Seite desselben. So bewährt also dieser sprachlich ausgeprägte,
d. h. zum Bewußtseyn gekommene Dualismus des Rechts, dem
wir beim ersten Eintritt (!) in unser Gebiet begegnen, bereits die
zersetzende Kraft des röm. Geistes. In kulturhistorischer Beziehung
ist er eine sehr beachtenswerthe Erscheinung und bezeichnet einen
höchst wichtigen Fortschritt des menschlichen Selbstbewußtseyns."
Wie aber ist nun dieser scharfe Gegensatz und diese scharfe
Form für diese Idee Ln das röm. Volk gekommen? Wo liegen,
wenn ich so sagen soll, die ethisch-ethnischen Ursachen dieses uni-
versalhiftorischen Fortschrittes? Ein solcher Dualismus fordert vom
Darsteller eine Erklärung, und diese ist uns der Verf. schuldig
geblieben. Ich wiederhole daß ein ächt historisches Verständniß
dieser Fundamentalphänomene unmöglich ist, ohne ein Eingehen
auf die Eigenthümlichkeiten der röm. Volks- und Staatsbildung.
Ganz gewiß ist es unrichtig, daß schon von alters her in Rom
jene Scheidung vollzogen gewesen sey, und noch entschiedener muß
ich dieser Behauptung widersprechen, wenn ich mich erinnere, was
der Verf. eigentlich unter diesem „von altersher" verstanden wissen
will: die gemeinsame historische Basis der indogermanischen Stämme,
oder den weiten historischen Raum zwischen der ersten Gliederung
des indogermanischen Urstammes bis zur geschichtlichen Firirung
der einzelnen Zweigvölkerschaften.
§. 9.
Die zweite Masse der röm. Urbestandtheile führt der
Verf. auf das Familienprineip, die Wehrverfassung (beides zu-
sammen nennt er auch den Staat) und das Fss zurück. Sie
bilden den, vom Verf. selbst übrigens nicht hervorgehobenen,
Gegensatz gegen das Subjectivitätsprineip, daß in ihnen sich dis
Anerkennung einer objeelssven Ordnung, eines regierenden

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