Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

180 Das römische und deutsche Recht re.
ist deutlich und dienlich und wird auch von manchem unserer vor-
nehmeren Theoretiker nicht ohne Nutzen eingesehen werden; denn,
daß die dogmatische Logik des Rechtes „die Blüthe, das Präcipitat
der Rechtssätze" sey, scheinen nur zu viele noch nicht gelernt,
nicht wenige wieder verlernt zu haben. Es ist unglaublich, welcher
Mangel an solider, scharfer, energischer Zusammenfassung und
DiSciplin des civilistischen Denkens herrscht, nachdem wir drei
Jahrhunderte und länger uns an den Brüsten römischer Logik
schmunzelnd delectirt haben! —
Feine Andeutungen enthalten die Ausführungen über den
alphabetisch verarbeiteten Stoff des röm. Rechts, sowie über die
vom Verf. s. g. psychische Organisation und den leiblichen Or-
ganismus des Rechts. Doch vermisse ich hier die letzte Feile des
Gedankens. Allerdings müssen wir sagen, daß erst römischer Ge-
dankenenergie gelungen sey, im Rechtsgebiet jenen Schritt voll-
ständig zu thun, den der Verf. richtig als das Zeichen einer
großen Stärke des intellectuellen Verdauungsvermögens bezeichnet,
und den wir mit dem Fortschritt der Sprache von der Einsilbig-
keit und Gebundenheit der Redetheile zu der Agglutination, Son-
derung der Redetheile und Schöpfung eines Alphabets vergleichen
können. Warum aber hat Jh. diesen fruchtbaren Gedanken nicht
weiter verfolgt, nicht in Anwendungen gezeigt? Oder ist etwa der
zweite Theil seiner Schrift dazu bestimmt, uns das Alphabet des
Rechts im röm. Recht nachzuweisen? Hier liegt der Brennpunkt
unseres gegenwärtigen Strebend, das uns in kurzem weit über
die Gesichtspunkte der ehemaligen philosophischen und der s. g.
historischen Rechtsschule hinaustreiben wird. — Ferner: Jh. sagt
(S. 34): „Wir wollen diese allgemeinen Ideen und Grund-
anschauungen eines Volks, die den einzelnen Instituten ihren
Ausdruck geben, die Bestrebungen und Tendenzen der Zeit, die
im Recht sich verwirklichen, kurz den ganzen Inbegriff aller Trieb-
kräfte die im Recht thätig werden, die psychische Organisation
desselben nennen, die Institute des Rechts den gesammten Com-
plex seiner praktischen Organe den Körper desselben. Was da
treibt, läßt sich nicht unmittelbar erkennen, und es ist ein Noth-
behelf, wenn wir zur Erklärung von Wirkungen die wir sehen,
treibende Kräfte, die wir nicht wahrnehmen, supponiren." Ich
vermisse auch in der Ausführung dieses Gedankens die eigent-

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