Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Kurze Anzeigen.

Verfasser vorliegenden Buches nicht zu sagen gebraucht. Hin-
wiederum aber scheint er in diese Worte etwas legen zu wollen
was sie nicht aussprechen, sondern erst in der Vorrede angedeutet
wird: eine Opposition gegen zu starke Betonung der Literatur.
Der Literatur nun hat der Verfasser allerdings nicht viel Ehre
erwiesen: „Beachtung und Würdigung fremder Ansichten (so sagt
der Vers, in seiner Zueignung an Schräder) werden Sie wohl
nicht vermissen, vielleicht aber die namentliche Anführung von
Schriftstellern;" und in der That finden wir von den Urhebern
entgegengesetzter Ansichten nicht bloß nicht viele, sondern keinen
genannt. Damit hängt es denn aber auch zusammen, daß „die
Beachtung und Würdigung fremder Ansichten" sich als solche
äußerlich gar nicht darstellt; ohne Nachtheil für diejenigen, die
alles wissen, für uns aber — und für unseres Gleichen Pfiegen
die Bücher geschrieben zu werden — ein fühlbarer Mangel.
Uebrigens ist unter denen welche aus den Quellen arbeiten,
einiger Unterschied: angefangen von jenen, welche hier ein Stück
und dort ein Stück vom Zaune brechen, bis hinauf zu denjenigen
welche umgekehrt die zerstreuten Glieder der Antike zusammen-
suchen. Also kommt es selbst, wenn man aus den Quellen arbeitet,
noch immer auf das Wie an; und wenn nun gleich schon der
Name des Verfassers dafür bürgt, daß wir nur gründliche und
scharfsinnige Arbeiten von ihm erhalten, so können wir doch nicht
zugeben, daß auf allen Punkten mit den Quellen besonders zart
umgegangen sey. Wir wollen dieß in Beispielen darthun. In
Folge Vermächtnisses bekommt der Honorirte nicht auf einmal,
sondern zeitweise nach einander; hier nehmen die Quellen bald
ein, bald mehrere Vermächtnisse an. Warum? Dort will der
Testator nur den Onerirten erleichtern; das sagen die Quellen
ausdrücklich, und ist dem Verfasser nicht entgangen. Hier dagegen,
fährt er fort (S. 251), sind um des Bedachten willen Termine
gemacht, und daher mehrere Vermächtnisse. Liegt das in den
Quellen? Nicht einmal in der Natur der Sache. (Um des Be-
dachten willen mag der Testator Termine setzen; daß aber so viele
Vermächtnisse sind als Termine, kann ihm — seinem Vermögen
— nur nachtheilig seyn.) Die Quellen geben uns einen andern
Grund: Cum „in annuos singulos“ legatur, non unum legatum
esse sed plura constat. Der Ausdruck des Testators ist ent-

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