Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Das absolute Recht.

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auS den Fesseln ständischer Gliederung und waS dahin gehört,
uns-zu befreien sich bemühen. Die Philosophen beider Fractionen
der historischen Schule haben endlich die richtige Position ein-
genommen und dadurch die Situation um ein gut Theil klarer
gemacht. Es zeigt sich nun, daß die historische Schule, deren
romanistische Section das römische Recht, dieses Grab antiker
Naturwüchsigkeit, und deren germanistische Section den modernen
Staat, dieses Grab mittelalterlicher Naturwüchsigkeit, zum Gegen-
stand des Cultus gemacht, ihren eigenen Gegensatz großgezogen
hat und, diesen Zwiespalt im Herzen, über sich selbst, d. h. über
das Princip der Naturwüchsigkeit hinausweist. Dieß Verhältniß
bestimmt die Stellung des Verfassers zu den Romanisten, er ist
Anhänger und Gegner zugleich; Anhänger, insofern er das römische
Recht als das absolute Recht ansieht, Gegner, insofern er es
hervorgehen läßt, nicht aus dem Volksthum, sondern aus dem
bewußten Willen der Römer. Diese Doppelstellung zeigt sich
auch in den persönlichen Beziehungen aus charakteristische Weise:
je größer die Verehrung ist, die er Savigny darzubringen sich ge-
nöthigt sieht, desto lebhafter spricht er die Mißachtung aus, mit
der er, ein ächter Schüler Gans, sich an den Jüngern deS
Meisters schadlos hält.
Der Kern der Ansichten deS Verfassers ist in jenen drei
Thesen enthalten, welche einer näheren Betrachtung zu unterziehen
sind.
Was die erste betrifft, welche die Erislenz eines absoluten
Rechts auöspricht, so stimme ich derselben bei, in welchem Sinne,
werde ich unten zu entwickeln versuchen. Daß aber der Verfasser
sich gar nicht darüber erklärt hat, wie er die Idee des Absoluten
und näher das absolute Recht aufzufassen gemeint ist, das ist ein
Hauptmangel des Buchs. Wie ist es möglich, einen solchen Satz
nur aufzustellen, oder gar auf Billigung, selbst nur auf Eröffnung
einer Debatte zu rechnen, wenn man die Qualität, um welche eS
sich handelt, nicht begrifflich bestimmt! Der Verfasser sagt in der
Einleitung, daß das alte Naturrecht das absolute Recht alS
ewiges, für alle Menschen geltendes, an Ort und Zeit nicht ge-
bundenes statuirt habe. Die Geringschätzung, mit der er von
diesem Naturrecht spricht und der geschichtliche Standpunkt des
Verfassers schließen die Annahme auS, daß er die Idee deS ab-

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