Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

irr Das absolute Recht.
hier nur nach einer Seite hin naher besprochen werden soll, ist
im Vorstehenden angedeutet. Man muß die außerordentlichen
Schwierigkeiten bedenken, welche einem Werke, daS in die Breite
und in die Tiefe zugleich gehen muß, entgegenstehen, um trotz
etwaiger Jrrthümer im Einzelnen gerecht gegen das Ganze der
Leistung zu seyn, obschon freilich der Verfasser theils durch die
übertriebenen Erwartungen von dem Erfolge seines Werks, die er
in der naivsten Weise ausspricht, *) theils durch die unter glück-
licher Benutzung von Reminiscenzen zwar anregende aber ebenso
sehr auch Anstoß erregende Sprache (z. B. S. 78, 83, 192, 310)
die Kritik auf das entschiedenste heraussordert.
In einer sehr bestimmten Beziehung zu der gegenwärtigen
Schrift steht das kürzlich erschienene Buch von Schmidt: „Der
principielle Unterschied zwischen dem römischen und germanischen
Rechte." Beide Verfasser können als die Philosophen der histori-
schen Schule betrachtet werden, Schmidt nach der germanistischen,
Lenz, obwohl Gans Schüler, nach der romanistischen Seite hin;
beide aber werden sich am meisten von denen abgestoßen fühlen,
deren Lehre sie auf die philosophische Formel zu bringen sich be-
müht Haben. Dieß hängt mit einer Thatsache zusammen, die eine
neckische Laune der Geschichte zu seyn scheint. Es ist nicht zu
bezweifeln, daß Freiheit und Gleichheit die Ecksteine des römischen
Privatrechts sind, gleichwohl sind es gerade die Romanisten, die
in den Kämpfen der Gegenwart die Consequenzen dieses Princips
verwerfen. Ebenso ist es unzweifelhaft, daß das deutsche Recht
des Mittelalters auf objectiver Gebundenheit und Ungleichheit der
Personen beruht; gleichwohl sind es gerade die Germanisten, welche

i) S. V: „wenn dasjenige, was ich Namenloser über die geschicht-
liche Entstehung des Rechts entwickelt habe, wahr ist, so muß die gegen-
wärtige Schrift eine Revolution auf dem Gebiete des Privatrechts
herbeiführen und die Grundlage zu einer neuen nova methodus do-
cendae discendaeque jurisprudentiae werden." S. VI: „die Germani-
sten, denen ich, so zu sagen, den Boden unter den Füßen wegziehe" ic.
S. 26: „ es wird dieselbe Kritik seyn, die auch die historische Schule
richte» soll." S. 9: „die Saat ist reif geworden, und wenn die Zeit
erfüllt ist, erscheint der Messias jeder weltgeschichtlichen That." In-
dessen s. auch S. 246: „liebenswürdige Bescheidenheit ist das charak-
teristische Kennzeichen wahrer Größe."

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