Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

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Zur neuesten civilistischen Literatur.

so befindet man sich auf einem Abwege. Hat man nur einmal
den sicheren Besitz der römischen Rechtsbegriffe erlangt, und wendet
man die römische juristische Methode konsequent an, so wird es
von selbst gelingen, das Bleibende von dem „Abgestorbenen" zu
sondern, und dem, waS wirklich berechtigtes Product neuerer
Rechtsbildung ist, dauernde Anerkennung zu verschaffen. (IHe-
ring a. a. O. S. 51.)
Der Inhalt des Buches ist folgendermaßen abgetheilt: I. §. 1.
Begriff der Actio. II. §§. 2—4. Gegensätze in der Actio. Hl.
88. 5 — 7. Untergang der Actio. I V. §§. 8 — 13 Die Actio
in ihrer Verwirklichung. V. Uebergang der Actio. §§. 14 — 22
— §. 23. „Schlußworauf noch ein kurzer Anhang folgt.
Aus diesem Inhalte nehme ich zunächst das Wichtigste, des
Vs. Theorie über die Actio, heraus.
W. tritt nicht nur der Lehre entgegen, daß das Klagerecht
erst aus der Verletzung des Rechts entstehe, sondern er tadelt auch
an der von mehreren neueren Schriftstellern aufgestellten Unter-
scheidung zwischen eventuellem (schon vor der Verletzung, mit
dem Rechte selbst, abstract begründetem), und wirklich ent-
standenem (durch die Verletzung concret begründetem) Klag-
rechte den Grundgedanken, nach welchem auch bei dieser Unter-
scheidung das Klagerecht als abhängig vom Rechte gedacht, und
die wirkliche Ausübung deö Klagerechtes doch wieder wesentlich
von einer Rechtsverletzung abhängig gemacht wird. Man ersehe
aus den Quellen, daß es actiones gebe, welche keine Rechtsver-
letzung voraussetzen. Die Abhängigkeit der Klage von dem Rechte
sey eine moderne Auffassung, welche dem römischen Begriffe von
Klage (aetio) durchaus widerspreche. Die Römer hätten wohl
auch in der Rechtsordnung die Ordnung der Rechte erkannt,
also gemeint, daß das Individuum, welches in dem seinem
Willen durch das Recht zugewiesenen Herrschaftskreise nicht aner-
kannt wird, beim Staate, dem Wächter des Rechtes, sich darüber
beklagen dürfe, damit dieser ihm zu dem Seinigen verhelfe; —
diese Auffassung sey aber nicht die vorherrschende, geschweige denn
die alleinige gewesen. Eine andere Anschauung habe, erstere ver-
drängend, mit nachhaltiger Wirkung sich geltend gemacht; die An-
schauung nämlich, daß die Rechtsordnung eigentlich die Ordnung
der gerichtlich verfolgbaren Ansprüche, die Actio aber ein selbstän-

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