Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

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Der Hausfriede bezog sich auf alle Bewohner des Hauses,
nicht bloß auf den Eigenthümer und seine Familie. Auch wer
zur Miethe wohnte, hatte seinen Schutz zu genießen; die Haus-
ehre verlangte eS daß auch der fremde Flüchtling, sogar der Ge-
ächtete wenigstens vorübergehend Frieden finde in dem Wohnhaus
das ihn ausgenommen. Soweit „Haus u n d H o f" reicht, dehnt
sich der Hausfrieden aus. Wer „unter die Dachtraufe" des Hau>
ses getreten, ist schon von dem Frieden geborgen. Aber nicht
ebenso konnten ihn die Gaste ansprechen, die in einem offenen
Wirthshause zum Trunk oder Tanz sich versammelten.
Das Haus recht, gleichsam die active Seite des Haus-
friedens, geht viel weiter als die Nothwehr. Wenn der Haus-
bewohner den der ihn unbefugter Weise „heimsucht", im Streit
oder Zorn verwundet oder gar erschlägt, so hat er dafür nach
manchen Rechten keine Buße oder nur eine Scheinbuße zu zahlen.
Andere Rechte betrachten in solchen Fällen wohl bloße Verle-
tzungen , aber nicht die Tödtung der Eindringlinge für unsträflich.
Im weitesten Umfange ist die Selbsthülse gestattet in Vertheidi-
gung des Hausfriedens.
Die passive Seite des Hausfriedens äußert sich in ver-
schiedenen Beziehungen. Der Verfasser hebt folgende einzeln her-
vor:
1) Sicherheit gegen Verhaftung, zunächst wegen
bürgerlicher Schuld oder geringer Frevel. Ursprünglich genoß auch
der Verfestete noch dieselbe Sicherheit; nur durfte er nicht
wagen das Haus zu verlassen, sonst verfiel er der Verfolgung;
und war einmal die volle Acht über ihn ausgejprochen, so schützte
den gänzlich recht- und friedlosen Mann auch sein Haus nicht
länger.
2) Die Beschränkung der Haussuchung durch schü-
tzende Formen. „Bald ist bestimmt daß dem Hauswirthe die ge-
hörige Zeit gegeben werde um sich entscheiden zu können, ob er
dem Nachgesuchlen forthelfen wolle oder nicht; bald wird gesagt
daß das Haus vorläufig nur von außen besetzt werden dürfe bis
eine regelmäßige Verhandlung mit dem Wirthe stattgesunden
habe; bald ist das Betreten des Hauses abhängig gemacht von
dem Vollbort des Rathes der Stadt; bald ist hervorgehoben daß
nur den höheren, nicht den niederen Beamten es gestattet sey zu

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