Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

20.4. Ed. Osenbrüggen: Der Hausfrieden. Erlangen. F. Enke. 1857

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Kurze Anzeigen.

das Gesagte mag hinreichen, um die Schrift als eine Partei-
schrist zu kennzeichnen, die es mit der objectiven Wahrheit nicht so
genau nimmt.
%

4) Ed. Osenbrüggen: Der Hausfrieden. Erlangen. Ferd. Enke.
1857. S. 102'.
Die Idee daß die Wohnung dem Individuum Sicherheit und
Ruhe zu gewähren bestimmt sey, und daß jeder in seinem Hause
seiner persönlichen Freiheit froh werden solle, hat bei keinem an-
dern Volke einen energischeren und schöneren Ausdruck erhalten
als bei den Deutschen — in dem uralten Institute des Haus-
friedens. Es war eine verdienstliche Arbeit des Verfassers,
dieses Institut aus den Rechtsquellen des Xllten bis XVIten
Jahrhunderts gründlicher und sorgfältiger als bisher darzustellen.
Der Fleiß welcher auf die Durchsicht des reichen, nur wenig be-
achteten Materials Ln den mittelalterlichen Stadtrechten und Weis-
thümern verwendet worden, hat wieder zu merkwürdigen Resulta-
ten geführt, und ist auch für die Fortbildung des neueren Rechts
lehrreich und fruchtbar.
„Wir wollen daß jedem Bürger sein Haus seine Feste
sey", haben schon die österreichischen Stadtrechte desXlllten Jahr-
hunderts ausgesprochen. Die Engländer haben diesen Rechtssatz
bis auf die Gegenwart als eine wichtige Bürgschaft ihrer Freiheit
conservirt. Wir Deutsche fangen wieder an uns daran zu er-
innern daß das gutes altes deutsches Recht sey. „Ein jeder Haus-
gesessene soll Frieden haben in seinem Haus, wär' es halt nur
mit einem Zwirnfaden umfangen" sagen die österreichischen Weis-
thümer, und charakterisiren durch den schwachen Faden die Stärke
des Rechts.
Der Hausfriede hatte freilich im Mittelalter noch eine andere
Bedeutung als ihm heute zukommen kann, in einer Zeit als die
Staatspolizei schwach, die rohe Rauflust fast unbändig, die Ge-
waltthat häufiger und die Fehde unter Umständen erlaubt war.

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