Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Aur deutschen periodischen Criminalrechtsliteratur. 429
Strafrechts ist also zu kämpfen, auf die Ermannung der deutschen
Bundesglieder zu einer gemeinsamen Strafgesetzgebung hinzuwirken,
und gerade von diesem Gesichtspunkte aus erblicke ich in dem
— allerdings auch aus anderen Gründen verdienstlichen — Unter-
nehmen Temme's eine sehr erfreuliche Erscheinung, indem diese
Sammlung von Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe in der
Thal ein treues und vollständiges Bild des wirklich in Deutschland
geltenden Strafrechts und des gesammten deutschen Strafrechts-
zustandes gewährt, und nach meinem Dafürhalten zu jeder ersprieß-
lichen Aenderung und Verbesserung einer Sache die möglichst
genaue Kenntniß derselben nöthig ist. Der künftigen deutschen
Strafgesetzgebungscommission wird die Temme'sche Sammlung ein
sehr willkommenes, nützliches Hülfsmittel seyn.
Aber auch abgesehen von diesemsehr hoch anzuschlagenden Werthe
des fraglichen Unternehmens für die (hoffentlich nicht gar zu ferne)
Zukunft, hat dasselbe schon jetzt vermöge seiner zweckmäßigen An-
lage und Ausführung ebenso für den Praktiker wie für den Theore-
tiker eine nicht geringe Bedeutung als eine sehr reiche und brauch-
bare Sammlung von Rechtsfällen. Man muß daher dem Unter-
nehmen den besten Fortgang wünschen, und zwar um so mehr,
als die Annaleit von Hitzig eingcgangen sind.
A) „Beharrt unser Recht in dem Particularismus von mehr
als einem Duzend Gesetzgebungen, so wird die Wissenschaft ent-
weder in dieser Masse von verschiedenen Codistcationen ihre Kräfte
in unfruchtbarer Weise zersplittern, oder sich, wenn ich mich des
Ausdruckes bedienen darf, nur um einzelne Partikularrechte an-
nehmen können, die übrigen aber im wesentlichen mehr zur Seite
liegen lassen müssen."
Was Wächter hier (Jahrb. der d. Rechtswissensch. und Ge-
setzgebung I, 2 S. 112) hypothetisch hinstellt, gilt, solange die
Voraussetzung besteht, natürlich auch apodiktisch, und wenn die
Wahl zwischen unfruchtbarer Kräftezersplitterung und Nichtberück-
sichtigung etlicher kleinstaatlichen Strafgesetzgebungen überhaupt
nicht schwierig ist, so erscheint sie hier um so weniger schwierig,
als dieser Bericht nicht für die speciellen Fachgenossen, sondern
nur für das übrige juristische Publicum erstattet wird. Ist es
schon eine starke Zumuthung an den Praktiker eines bestimmten
Staates, sich um die periodische Strafrechtsliteratur eines anderen

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer