Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

410 Jur Theorie der Obligationen auf den Inhaber.
unzweifelhaften Rechtens ist, daß der Klage aus einer Inhaber-
Police Einreden, welche aus dem Wesen des Versicherungsver-
trags hergenommen, entgegengesetzt werden können, so folgt hieraus,
daß die Obligation des Versicherers, ungeachtet der Ausstellung
eines au porteur lautenden Scheins, keine streng einseitige und
abstracte, mit anderen Worten keine von ihrer causa abgelöste
ist, so wie überhaupt, daß nicht alle Obligationen aus Jnhaber-
(und Ordre-) Papieren dieselbe rechtliche Natur haben, nämlich
formelle Verbindlichkeiten sind.
Dem hier gemachten Einwande begegnet freilich Unger
(S. 150 flg.) durch Berufung auf die Stipulation, gegen welche
die exceptio doli stattgefunden habe.
Die Obligationen aus Ordre - und Jnhaberpapieren, sagt er,
sind formeller Natur, d. h. sie sind abgelöst von der materiel-
len causa, in ihrer Entstehung und Existenz unabhängig von dem
sie veranlassenden Geschäfte. Dennoch übt der Bestand des ma-
teriellen Verhältnisses auf die Wirksamkeit der Obligation den
wichtigsten Einstuß aus; der natürliche Zusammenhang der Obli-
gation mit ihrer cau8a wird auf indirectem Wege dadurch her-
gestellt, daß die Obligation aus Mangel der cau8a anfechtbar ist;
das dem Formalcontract unterliegende materielle Verhältniß gelangt
auf diesem Wege wieder zu der ihm gebührenden Berücksichtigung.
Allerdings konnte nun der Klage aus der Stipulation die
exceptio doli entgegengesetzt werden, wegen cau8a futura non
secuta,
„velut si stipulatus sim a te pecuniam tanquam cre-
dendi causa numeraturus, neque numeraverim“
Gaj. IV. §. 116.
oder wegen fehlender causa antecedens,
„si pecuniam, quam me tibi debere existimabam, jussu
tuo spoponderim“
I. 7 pr D. de doli mali except. (44, 4.),
oder wegen turpis causa,
1. 8 pr. D. de condiet, ob turp. v. inj. caus. (12, 5),
sowie auch wenn einer
„metu coactus aut dolo inductus, aut errore lapsus ...
quod non debuerat“ — promittirt hatte.
$. 1 J. de except. (4, 13,)

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer