Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

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Aur neuesten civilistischen Literatur.

Legata sub conditione relicta non statim, sed quum conditio
exstiterit, deberi incipiunt; ideoque interim delegari non
potuerunt, und erklärt sich schließlich zu der Annahme geneigt,
Ulpian habe ursprünglich geschrieben: DLLEGARI(do lego legari),
was dann die Compilatoren in delegari verwandelt hätten. Ich
bin überzeugt, daß delegari echt ist, aber nicht die gewöhnliche
Bedeutung hat, sondern die sprachlich unzweifelhaft ebenso mög-
liche: „wegvermacht werden." Vorsichtigerweise trägt der Ver-
fasser S. 61 Bedenken, den Umstand, daß das bedingte Vermächtniß
auf die Erben des vor Erfüllung der Bedingung sterbenden Lega-
tars nicht transmittirt wird, unter die Kennzeichen der „Vor-
wirkung" zu setzen. Den Einwand, welchen er scheut, man könnte
als zweite, stillschweigende, aus der Absicht des Testators abzu-
leitende Bedingung hinzudenken: „wenn der Legatar die Erfüllung
der Bedingung erleben wird," würde ich für einen ganz grund-
losen erklären. Gewiß denkt sich im Gegentheil ein des römischen
Rechts unkundiger Testator oft, es sey ganz gleich, ob die Bedingung
bei Lebzeiten oder nach dem Tod des Honorirten eintrete, und
gönnt im letztem Fall das Vermächtniß auch den Erben des
Honorirten. Aber gewichtiger wäre der andere Einwand, daß
eben nach R. R. die allgemeine Regel seststeht: Vermächtnisse
sollen erst transmittirt werden, wenn dies legali cessit, und daß
auch bei der Stipulation neque cessit. neque venit dies pen-
dente conditione (L. 213 de Y. S.), folglich auch wenn Rück-
ziehung bei der Vermächtnißbedingung stattsände, Transmission
doch nicht erfolgen könnte. Die Nichtlransmission ist beim beding-
ten Vermächtniß nicht Folge der Nichtrückziehung der Bedingung,
sondern umgekehrt, glaube ich, ist die Nichtrückziehung der Ver-
mächtnißbedingung in der schon eben angedeuteien Weise Folge
davon, daß das bedingte Vermächtniß nicht transmittirt wird.
Ich will daS aber schon deßhalb hier nicht weiter ausführen, weil
ich sonst vielleicht dem Verfasser vorgreifen könnte, der ja über die
Nückziehung der Bedingung überhaupt sich weitere Erörterungen
Vorbehalten hat.
Ich folge jetzt seiner Darstellung der Wirkungen der Rück-
ziehung und der Entscheidung ohne Rückziehung beim Eigenthum
(S. 62 ff.), wo der Unterschied beider, wie er einleitend ganz
richtig bemerkt, vorzüglich wichtig ist, und zwar zunächst Hinsicht-

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