Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

386 Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten.
unter Norwegen sind die Geschwornen aus dem Rechte der Insel
beseitigt worden, indem das einheimische Beweissystem vollständig
durch das norwegische verdrängt wurde. Nothwendig drängt sich
hier die Frage aus, ob wohl das Geschworeneninstitut ursprünglich auch
dem norwegischen Rechte geläufig gewesen, und nur in Folge be-
sonderer Umstände dort abgekommen, in Island aber erhalten ge-
blieben sey, oder ob man umgekehrt in demselben eine neue Bil-
dung zu erblicken habe, welche in der Colonie durchgedrungen
wäre, während das Mutterland sich bei seinem alten Rechte er-
^ halten hätte. Michellen entscheidet sich für die erstere Alternative *).
In dem künstlichen Systeme der Ernennung der Eidhelfer, welches
das Guladingsrecht befolgt, in der Unterscheidung des nefndar-
vitniimt) fangavitni, welche im älteren Stadtrechte gemacht wird^),
will er eine Vermischung eines älteren und eines neueren Beweis-
systemes erkennen; in den Bestimmungen des Bjark. R. §. 34 —
5 und §.92 — 4, über den heimsqvidhr, welche in der Ja-
ms. Mannh. B. 24 wiederkehren, will er nicht minder einen
Ueberrest der alten Nachbargeschworenen finden^). Beide Argumente
scheinen indessen nicht stringent. Der Gegensatz des fangavitni unb
nefndarvitni hat mit dem Geschworenenwesen nichts zu thun, son-
dern weist nur auf eine Verschiedenheit hinsichtlich der Wahl der
Eidhelser hin, welche auch in anderen Rechten, die doch mit jenem
in keinerlei Berührung zu bringen sind, ganz ähnlich wiederkehrt;
die aus dem Verfahren betreffs des heimsqvidhr gezogenen Schlüsse
aber dürften vollends nur auf einer irrigen Deutung dieses Aus-
druckes selbst beruhen^). Allerdings möchten auch wir darin daß

*) S. uo — 6.
2) Vergl. oben S. 199 - 200, Anm. 2.
3) Dieselben Vorjchriften finden sich auch bereits in den Frostup
L. V. § 22, und wiederholen sich andererseits auch L. L. Mannh. B.
23, und Jonsb. Mannh. B. 25. Michelsen konnte übrigens, beiläufig
bemerkt, die erste Ausgabe der norwegischen Gesetze und der Iarnsida
noch nicht benützen, und mochte um so eher den unklaren Vorstellungen
Arnesens, S. 228 — 30 zu viel nachgeben.
') Die gesetzliche Vorschrift lautet nämlich dahin daß derjenige,
welcher einem anderen gewisse schwere Verbrechen vorgeworfen hat, für
straffällig erachtet werden soll, wenn nicht heimsqvidhr vorliege, „aber
das ist heimskvidhr wenn 10 Männer zur Versammlung mitgehen, und

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