Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten. 395
noch der weitere Umstand daß dieselbe immer nur für, nie gegen
die Beweisführer zu sprechen scheint. Im Dithmarsischen Rechte
wenig bewandert, müssen wir unS indessen begnügen diese Zweifel
angeregt zu haben, die Entscheidung Eingeweihteren anheimstellend *).
Ueberschaut man diesen möglichst kurzgefaßten Bericht über
den quellenmäßigen Befund, so zeigt der erste Blick daß das Ge-
schworneninstitutein den sämmtlichen nordgermanischen Rechten,
mit alleiniger Ausnahme des norwegischen, gemeinsames ist. Die Ori-
ginalität der gelammten Rechtsbildung des Nordens läßt dabei den Ge-
danken nicht aufkommen daß dasselbe von anderswoher entlehnt seyn
könnte, und nicht der geringste positive Anhaltspunkt bietet sich
für eine soche Annahme dar; die Verschiedenartigkeit der Gestaltung
des Institutes in den verschiedenen Rechten macht überdieß wahr-
scheinlich, daß auch die einzelnen skandinavischen Stämme dasselbe nicht
von einander entlehnt haben, daß dasselbe ferner bei ihnen nicht als
ein von Anfang an gegebenes, sondern als ein erst in einer Zeit,
da sich die Stämme bereits getrennt hatten, für jeden selbständig
erwachsenes zu betrachten sey. Dieser letztere Schluß wird ver-
stärkt durch die genauere Erwägung des norwegischen Be-
weissystems. Während das schwedische Recht neben seinen
nämdamal noch vitnismal, dulsmal, und in älterer Zeit iarn-
byrdamal kennt, während das dänische Recht deutlich genug die-
selben Grundzüge erkennen läßt, zeigt das norwegische Recht ledig-
lich dieselben Beweismittel, wie sie unsere deutschen Volksrechte
brauchen, also das erwählte und das Erfahrungszeugniß, den Par-
teieneid und die Eideshülfe, endlich das Gottesurtheil, und selbst
die Abschaffung dieses lederen bringt hierin keine wesentliche Aen-
derung hervor. Diese Ausnahmsstellung des norwegischen Rechtes
wird aber um so auffallender, da gerade das von ihm ausgegangene
Recht der Republik Island das Geschwornenwesen in der conse-
quentesten und umfassendsten Ausbildung kennt, so daß neben dem-
selben nur das erwählte Zeugniß noch Raum hat, während das
Gottesurtheil und der Parteieneid nur sehr ausnahmsweise noch
angewandt wird, die Eideshülfe aber vollends bis auf wenige
Spuren völlig verschwunden ist; erst zufolge ihrer Unterwerfung

') Auch Wilda, S. 254 und 256 ist übrigens der Ansicht daß in
der Dithmarsischen Nemede nur erwählte Eidhelfer zu sehen seyen.
ckrilische Ueberschau. V. 27

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