Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten. 375
behandelt werden; beidemale aber wird sich unsere Aufmerksamkeit
auf solche Erscheinungen zu beschränken haben, welche in dem we-
sentlichsten Stücke mit dem Geschwornenwesen übereinstimmen,
nämlich in der Sonderung der Entscheidung der Thatfrage von
der Entscheidung der Rechtsfrage und in der Ueberantwortung der
elfteren an nicht zum Gerichte gehörige Personen, welche von den
betreffenden Thatsachen doch nicht, oder doch nicht nothwendig un-
mittelbare eigene Wissenschaft haben; und auf solche Darstellungen,
welche das deutsche Schöffcnwesen oder die nordischen Urtheilsfin-
der unbedenklich in die Erörterung unserer Frage hereinziehen,
wird hiernach von vornherein keine Rücksicht genommen werden
können *).
Geschworne finden wir aber vor allem in der Republik Is-
land vor, und zwar soweit wir deren Rechtsgeschichte überhaupt
Ln der Zeit hinauf verfolgen können 2); sie werden daselbst als
qvidhar, ihr Ausspruch als qvidhr, qvidhburdr bezeichnet, welcher
Ausdruck, von dem Zeitworte at qvedhja abgeleitet, auf die Form
ihrer Berufung hinweist. Man unterscheidet dabei zwischen dem
tolftarqvidhr oder godhaqvidhr und dem buaqvidhr, d. h. zwischen
Geschworenen, welche, 12 an der Zahl, auf Antrag des Beweis-
führers mit dem Goden oder Gerichtsherren, der sie aus seinen
Gerichtsangehörigen ernennt, selbzwölft schwören, und anderen,

i) Jene Vermengung macht sich z. B. im höchsten Grade fühlbar
in der, sonst nicht unverdienstlichen, Schrift des gelehrten Isländers
Thorl. Gudm. Repp: A historical treatise on tryal by Jury, wager
of law, and other coordinate forensic institutions, formerly in use
in Scandinavia and in Icoland, Edinb. 1832 (deutsch von Buß, Frei-
burg 1835 ; nicht minder aber auch in Dahlmanns „Wegweiser durch
die Geschichte der englischen Jury" (Zeitschr. f. deutsches Recht, Band
X., S. 185 — 204; 1846), welcher hiernach keine Veranlassung hatte,
über Repps „leichtfertige Arbeit" sich abschätzig zu äußern. Vgl. zu-
mal Wilda, lieber den Ursprung der Geschwornengerichte, in den Ver-
handlungen der Germanisten zu Lübeck (1848, S. 250 u f.).
2, Schon die 60 Jahre nach dem Beginne der Einwanderung abge-
faßten Gesetze Ulfljots kennen den Geschworneneid (Eandn. IV., c.
7), und die zahlreichen Berichte über Vorkommnisse aus der zweiten Halste
desto. Jahrhunderts wissen oft genug von dem Gebrauche des Institutes
zu erzählen (vgl. z. B. Vigagluni8 8. c. 17-8; Eyrbyggja 8. c. 16
und 22; die Njals 8 an sehr vielen Stellen, u. dgl. m.).

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