Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

368 Das Veweisverfahren nach deutschen Rechten.
daß Rogge'S Behauptung eigentlich nur in der Formalität des
deutschen Beweissystems ihren Stützpunkt finde, daß aber auch
dem formellsten Beweissystem doch jedenfalls die Meinung und
Absicht zu Grunde liege, daß mittelst der vorgeschriebenen Formen
die Wahrheit erreicht werden könne und solle, und daß bei einem
auf Gewohnheit, nicht auf willkürlicher Gesetzgebung beruhenden
Rechtszustande ein grober Verstoß in dieser Beziehung schwer denk-
bar sey; er betont ferner die überzeugende Kraft, welche dem Eide
einer unbescholtenen Person, selbst wenn Partei, immerhin inne-
wohne, und welche durch das Hinzutreten einer Anzahl von Eid-
helfereiden in der That gesteigert werde; endlich hebt er noch her-
vor, wie der Zeugenbeweis und die leibliche Beweisung mindestens
ganz unverkennbar auf die Ueberzeugung des Gerichts zu wirken
berufen sind *). Neben diesen mehr positiven Gründen will sodann
noch auf die Verschiedenheit der Stellung Gewicht gelegt werden,
welche die Parteien nach altdeutschem und nach römischem oder
modernem Rechte dem Gerichte gegenüber einnehmen;' hier sollen
dieselben, ihre sämmtlichen Rechte auf den Staat zurückführend, zu
dessen Gerichten kommen um ihr Recht zu suchen; dort dagegen,
das eigene Recht lediglich auf die eigene Persönlichkeit stützend,
nicht das Zusprechen eines Rechtes, sondern nur die Entschei-
dung einer Differenz von dem Gerichte fordern 2). Mehr dem
Standpunkte Rogge's nähert sich dagegen wieder Planck. Er
räumt zwar ein, daß dem Parteieneide, daß dem Schwure der
Gezeugen eine gewisse überzeugende Kraft zukomme, er läugnet
aber, daß hierin der Schwerpunkt für deren richtige Würdigung
liege; wesentlich sey vielmehr der Parteien - und Eidhelfereid als
ein Recht des Schwörenden zu betrachten, und nicht die Wissen-
schaft und Wahrhaftigkeit der betreffenden Personen entscheide bei
dessen Gebrauch, sondern lediglich deren Wille ihre Aussage wahr
zu machen; auf das Gerichtszeugniß freilich finde diese Auffassung
keine Anwendung, aber dieses sey auch kein eigentliches Beweis-

*) S. 9—12, und 23 — 4.
2) S. 4—9. Von hier aus toll sich insbesondere die Gleichheit
der Streittheile im Beweisverfahren und die Fernhaltung der Regel:
actore non probante reus absolvitur erklären.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer