Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten. 341
„verlegen"; für ihn handelt es sich also nicht um die Wahl zwischen
einem bequemeren und einem minder bequemen Beweismittel, welche
beide gleichmäßig zu demselben Ziele führen, sondern um die weit
schwerer wiegende Frage, ob er mittelst eines freilich nicht ganz
bequemen aber allein möglichen Beweismittels lieber selbst seinen
Beweis führen, oder ob er seinem Gegner verstatten wolle auf die
bequemste Art von der Welt sich von der Klage zu befreien. So
erscheint demnach, während der Parteieneid der Regel nach als ein
Recht deS angegriffenen Theiles sich darstellt, die Beweisführung
mittelst Zeugen der Regel nach als ein Recht des Angreifenden
und laghmal, d. h. Rechtsfälle, mögen darum die vltuismal und
die äulsinal den schwedischen Rechten gemeinsam heißen. Auch
hier aber erleidet die aufgestellte Regel alsbald wieder eine Reihe
mehr oder minder erheblicher Ausnahmen. Einerseits nämlich ist
der Zeugenbeweis in gewissen Fällen nicht bloß ein Recht, sondern
zugleich auch eine Last des Angreifers, dann nämlich, wenn beim
Mangel eines solchen der Angegriffene sofort und ohne seinerseits
zu leistenden Unschuldseid freigesprochen werden müßte; als ein
schlagendes Beispiel dieser Art mag die Schuldklage nach todter
Hand angeführt werden, soweit nicht einzelne Rechte bei derselben
ausnahmsweise einen bloßen <Sii)^etferbett)ei0; dem Kläger ge-
statten *). Andererseits mag unter Umständen auch der angegriffene
Theil sich veranlaßt sehen zum Zeugenbeweise zu greisen, und
dieser solchenfalls auch als ein Recht seinerseits sich darstellen.
Hat sich z. B. der Kläger zur Führung eines Zeugenbeweises er-
boten, so mag der Beklagte durch das Anerbieten eines gleich
starken Beweises immerhin noch denselben ausschließen; der in der
Natur der Sache begründete Vorzug des angegriffenen Theiles läßt
diesen unter solcher Voraussetzung wieder „näher zum Beweise"
seyn als den Angreifenden *). In bei weitem den meisten Fällen

*) Man beachte die Differenz, welche sich auch in diesem Punkte
zwischen dem Zeugenbeweise und dem Parteieneide ergibt; jener ist regel-
mäßig nur ein Recht, nur ausnahmsweise zugleich auch eine Last des
Klägers, dieser dagegen regelmäßig zugleich Recht und Last des Beklag-
ten, und nur ausnahmsweise jenes allein.
2) Doch mag immerhin bezweifelt werden, ob dieser Gesichtspunkt
schon in der ältesten Zeit allgemein und folgerichtig festgehalten wurde.
Es mag seyn daß die Achtung vor dem Eide ehrenhafter Männer ur-

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