Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

336 Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten.
Zustände, wie z. B. die Rechtsverhältnisse an Achtem Erbeigen,
die Standesverhältnisse u dergl. m. von einer Beschaffenheit daß
ihr Daseyn eine erfahrungsweise Notorität nahezu nothwendig be-
dingt; auch hier mag dann der Parteieneid ausgeschlossen seyn, in-
dem man für den Fall daß ein Ersahrungszeugniß nicht erbracht
werden kann, entweder den Beweis ohne weiters als mißlungen
betrachtet (so nach norwegischem Rechte in Odalssachen), oder, in
Berücksichtigung der immerhin noch gedenkbaren Möglichkeit daß
das betreffende Recht begründet und dennoch nicht offenkundig seyn
sollte, allenfalls dem Beweisführer noch zum Gottesurtheile zu
greifen verstattet (so nach demselben Rechte beim Streite über die
Vaterschaft). Endlich kann es auch Vorkommen daß der Streittheil
welcher an und für sich näher zum Eide wäre, unter den gegebenen
Umständen von der streitigen Thatsache absolut keine Kenntniß
haben mag, so daß ihm der Eid über deren Wahrheit oder Un-
wahrheit billigerweise nicht zugemulhet werden kann (so z. B.
bei Schuldklagen nach todter Hand); solchenfalls mag dann zwar
der Gegner zum Eide zugelaffen werden, welcher dann freilich durch
eine sehr gesteigerte Zahl von Eidhelfern beträchtlich erschwert zu
werden pflegt; es mag aber auch nach anderen Rechten von die-
sem ein Zeugenbeweis gefordert, und falls dieser nicht erbracht
werden kann, der Beweis sofort als mißlungen angesehen werden.
U. dgl. m. Immerhin bilden indessen derartige Falle nur vergleichs-
weise seltene Ausnahmen, während der Regel nach hinter dem
Zeugnisse immer noch als eventuelles Beweismittel der Parteien-
eid zu stehen pflegt.
Bezüglich der Vertheilung der Beweisführung unter
die Parteien gilt sodann, soweit der mit alleiniger Hand geschworene

2, §.2-3; Lsutkr. 1, tz. 1—2; Carol. 2. §. 1-2). Nach norwegischem
Recht ist der Jeugenbeweis nur wahrend der nächsten 10-20 Jahre zulässig;
nach deren Ablauf kommt der Beklagte zum Reinigungseide (GuUp L. §. 39
Frostu/>. L. X §. 28u. XII, §. 7). Dagegen läßtGrag. Festa/). 2i-3, wenn
die Zeugen des Ehevertrages verstorben sind, keinen anderen Beweis zu
über die güterrechtlichen Verhältnisse der Ehegatten, vielmehr sofort
kraft gesetzlicher Vorschrift Gütergemeinschaft eintreten; sichern mögen
sie sich gegen das Eintreten dieser Conseqnenz dadurch daß sie vor dem
Abfterben der letzten lebenden Zeugen nochmals vor anderen Zeugen
ihre Güterverhältnisse constatiren lassen. U. dgl. m.

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