Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten. 335
zu übersehen, daß umgekehrt allerdings für gewisse Fälle der
Parteieneid ausgeschlossen, und somit ausnahmsweise lediglich der
Zeugenbeweis zugelassen wird, so daß wenn dieser gegebenenfalls nicht
erbracht werden kann, nicht etwa wie sonst auf den Eid des einen
oder des andern Streittheils zurückgegriffen, sondern ohne weiters
die Sache als sofort entschieden behandelt wird. Bei anderer Ge-
legenheit wurde bereits bemerkt daß für den Abschluß gewisser
Rechtsgeschäfte die Oeffentlichkeit als Erforderniß galt, daß ferner
bei gewissen halbwegs verdächtigen Handlungen die öffentliche
Vornahme oder doch eine sofort nachfolgende Bekanntmachung ge-
fordert wurde, wenn eine üble Deutung derselben fern gehalten
werden wollte; in beiden Fällen lag es nahe den Beweis seiner-
zeit mit Ausschluß jedes Parteieneides lediglich durch die Zeugen
erbringen zu lassen, die ja ohnehin hatten beigezogen werden
müssen, oder doch einen Eidhelferbeweis nur unter der Voraus-
setzung zuzulassen, daß ganz besonderer Umstände wegen ein Zeugen-
beweis nicht mehr erbracht werden Tönute2). Wiederum sind manche

als dem Gegenstände des Beweises nicht die Rede. S. sucht sich frei-
lich mit seiner Unterscheidung zwischen Zeugen und Urkundspersonen
zu helfen, indem er annimmt daß die Aussage dieser letzteren mit dem
Dingzeugnisse ziemlich gleiche Kraft gehabt habe, wenn sie auch diesem
im Collisionsfalle habe weichen müssen, und daß sie auch über kaeta
aliena zulässig gewesen sey (S. 108 und folg.; 210 — 6), während de^
eigentliche Zeugenbeweis jenen beiden Beweismitteln nachstehe, und nur
dem Parteieneide an Kraft gleichkomme, welchem gegenüber es dann
lediglich von der Beschaffenheit des Beweisthema's abhänge ob gege-
benenfalls dieser oder jener einzutreten habe (S. 253 — 8). Hiegegen
ist aber vor allem einzuwenden daß der ganze Unterschied zwischen Zeugen
und Urkundspersonen in dem Sinne in welchem S. ihn faßt, unbegrün-
det ist; daß ferner nicht nur das erwählte Zeugniß auf welches S.
seinen Begriff der Urkunde etwa erstrecken konnte, sondern auch das
Erfahrungszeugniß über kaeta aliena zugelassen wird, auf welches doch
jener Begriff in keiner Weise Anwendung finden kann. Für das älteste
Recht wenigstens ist hiernach Sachße's Ansicht entschieden irrig; wie-
ferne dieselbe für das spätere und insbesondere für das Recht der Nor-
mandie begründet sey, wird später zu prüfen seyn.
2) So läßt z. B. das Alemannische Recht den Beweis von Schen-
kungen an die Kirche primär nur durch die Schenkungsurkunde und
deren Zeugen führen, und nur wenn jene abhanden gekommen ist, räumt
sie dem Beklagten den Reinigungseid mit Cidhelfern ein (L. Mott».

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