Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

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mit mannichfachen Jneonvenienzen und Kosten für die Contra-
henten verbunden ist. — Unter Zugrundlegung der als „praktische
Beweisführung" über die Nothwendigkeit feierlicher Rechtsgeschäfte
zu benützenden Normen des positiven Rechtes führt unser Autor
nach einem rechtsphilosophischen Ercurse, welcher gleich ein Paar
anderen Deductionen etwas breit gehalten erscheint, unter Hervor-
Hebung des Charakters der einzelnen Rechtsgeschäfte jene an,
welche wegen des juristischen Objectes (des Willens, den
sie ausdrücken) oder des praktischen Objectes (des Vertrags-
gegenstandes) solenne Behandlung erfordern. — Zu erstem ge-
hören 1) die Schenkungen, besonders bei erheblichen Beträgen
(welche ausführlicher behandelt werden); 2) andere streng ein-
seitigeRechtsgeschäfte, als: Bürgschaften, ehefräulicheJnter-
cessionen, einseitige Obligationen erzeugende Verträge und letzt-
willige Verfügungen; 3) Rechtshandlungen, deren Ab-
schluß ein längerer Zustand von Unentschlossenheit
vorhergeht: Viehhandel, Wette, Wohnungsmiethe, Dienstboten-
geding (die beiden letzten Fälle scheinen uns nicht recht in diese
Kategorie zu passen!). Diesen Aufzählungen werden zur Vervoll-
ständigung wenigstens de lege ferenda noch anzureihen seyn:
4) Rechtsgeschäfte, welche ihrer Natur nach den Umfang
der Willenserklärung schwer erkennen lassen; als Gesell-
schastsverträge, Pachtverträge, Accorde (locatio conductio ope-
ris) K.
Wegen des praktischen Objectes verlangen eine solenne Form:
Verträge über Jmmobli en im weitern Sinne, welche von jeher
bei allen Völkern mit festen Wohnsitzen den feierlichen Rechts-
handlungen beigezählt wurden. Bei diesen tritt noch die als Neben-
wirkung solenner Rechtsgeschäfte hervorgehobene „Publicität" in
den Vordergrund: indem das eine negative Forderung an Alle
stellende dingliche Recht, damit diese Anforderung mit Fug ge-
schehen könne, den Charakter der Oeffentlichkeit erfordert („man
thut es allgemein zu wissen").
Wenn I)r. v. V. auf Grund des mittelst der Publicität un-
verkennbaren, dinglichen Charakters einer Sache jede dingliche
Klage als eine aus einer obligatio ex delicto entspringende
Delictsklage bezeichnet, so geht er aus Liebe zu seinem System
offenbar zu weit, da trotz der Publicität immerhin dingliche An-

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