Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Die Prästation unmöglicher Leistungen.

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praestare oportere), indem Promittent für seinen dolus, und
zwar kraft des Versprechens, eintreten müßte; denn heutzutage
enthält jeder Contract stillschweigend das Versprechen der Prästa-
tion des dolus, weil jeder b. f. negotium ist.
2) Von den gegenseitigen Contracten ist es allein der
Kauf, für den die Quellen in Anbetracht unserer Frage Stoff
und Anhalt bieten; ihn behandelt Mommsen denn auch als
Musterfall (vgl. S. 138 unten). Wenn er nun aber damit beginnt
daß „wie bei der Stipulation auch bei dem Kaufcontract als Objecte
unmöglicher Leistungen Sachen, welche dem Verkehr entzogen sind,
und freie Menschen, sowie nichteristirende Gegenstände häufig an-
geführt" werden (S. 117), so müssen wir wohl zugeben daß die ge-
nannten Dinge als Objecte unmöglicher Leistungen angeführt
werden können; auch zugeben daß sie von den Quellen häufig ange-
führt werden: dagegen läugnen daß sie daselbst als Objektive
unmöglicher Leistungen angeführt werden. Denn wenn
sie zum Theil Vorkommen als Dinge, welche „nicht verkauft wer-
den können" (Mae re8 venire non possunt), oder deren Verkauf
„nichtig", oder „unbündig" ist (nulla venditio est — emtio
non tenet), io folgt daraus noch nicht, weder daß sie überhaupt
und in keiner Weise, noch daß sie insonderheit verkauföweise nicht
geleistet werden können. Denkbarer Weise könnte die Nichtigkeit des
Kaufes einen anderen Grund haben als Unmöglichkeit der Leistung.
Vor der Beantwortung der Frage, ob, wenn solche Dinge verkauft
werden, auf Seite des Verkäufers unmögliche Leistungen contrahirt
sind, hätte u. E. zuerst festgestellt werden sollen, worin die dem Ver-
käufer obliegende Leistung bestehe. Lsige sie darin daß der Ver-
käufer die verkaufte Sache in das Eigenthum des Käufers bringe,
so wäre freilich überall dort etwas unmögliches contrahirt; be-
steht sie darin, daß er wenigstens Besitz, diesen aber wirklich und
unentwindbar verschaffe, so gilt dasselbe; denn was man nicht
eigen haben kann, kann man auch nicht besitzen*); bestünde sie
dagegen wesentlich bloß in der Prästation eines solchen Besitzes
(babere licere praestare), das ist in der pecuniären Vertretung
desselben, so ließe sich zweifeln ob ein freier Mensch und res.

*) 1. 30 §. 1 1. 23 §• 2 D. a. v. a. p. (41, 2).

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