Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

282 Die Präftation unmöglicher Leistungen.
tract nichtig ist — wenn er also in der Nichtigkeit des Geschäftes
den Maßstab für die Definirung der Unmöglichkeit, überdieß der
„wahren" Unmöglichkeit findet, so möchte das doch etwas gar zu
experimentell, und zuletzt doch eine trügliche Probe seyn; unter
anderem deswegen weil es Nichtigkeiten gibt, die nicht aus Un-
möglichkeit entspringen. Darob ist Mommsen denn auch schon
von Windscheid getadelt worden (S. 107 unten).
Ferner hat diese Definitionsweise allerlei Nachtheile im
Gefolge; vor allem den, daß man dasjenige, was letztes Ziel
oder Ergebniß der Untersuchung seyn sollte — Nichtigkeit des
Geschäftes — zur ununtersuchten Grundlage des ganzen Gebäudes
macht; daß die genauere Verfolgung der Unmöglichkeitsgränzen,
indem sie sichtet und schichtet, in welchen Elasten und Fällen einer
möglichen Unmöglichkeit das Geschäft nichtig sey (§§. 2 — 10),
der „praktischen Behandlung" vorgreift, und umgekehrt letztere sich
ebensoviel mit der vielleicht unpraktischen Unterscheidung der
wahren und uneigentlichen Unmöglichkeit als mit der wahrhaft
juristischen Bedeutung des Unmöglichen überhaupt sich abgeben
muß.
Das einzige, womit Mommsen in den Begriff und die De-
finition der Unmöglichkeit an und für sich hinüberstreift, sind die
„Arten" derselben, wie er sie einleitungsweise in §. 1 aufstellt. Be-
vor wir uns aber auf diese Unterscheidungen einlassen, soll wo
möglich das Allgemeinere des Dinges klar werden: denn für so
ganz überflüssig halten wir die Frage, was möglich, was unmög-
lich sey, denn doch nicht.
Gewiß ist aber der Begriff des Unmöglichen nur die Kehr-
seite von dem des Möglichen; nicht minder gewiß, daß der
Begriff des Möglichen den des Gesetzes voraussetzt, wornach etwas
seyn kann, oder nicht seyn kann. Wir wollen uns nicht in die
Frage verlieren, was alles für ein Seyn, und dlirch was für Ge-
setze seine Möglichkeit sich bestimme oder bestimmt werde: genug daß
eS auf dem Gebiete unserer „Leistungen" — des dare, facere prae-
stare — zweierlei Gesetze sind, nach denen sich Seyn oder Nicht-
seyn, Möglichkeit oder Unmöglichkeit bestimme. Wir meinen die
zwei Gesetze der Natur und des Rechts*). Alle Leistungen haben
irgend eine natürliche Wirkung, und sind also nicht ohne natür-

*) Vergl. 1. 35 pr. v. v. o. (45, 1).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer