Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

254 Zur neuesten Literatur über den bürgerlichen Proceß.
werden, von den übrigen 'zu trennen, und nur die noch streitigen
Theile des Factums, namentlich die Zusätze und Einschränkungen,
welche der Bekennende anführt, der Gegner aber nicht zugibt, so
weit sie erheblich sind, zum Gegenstände des Beweises zu machen,
und die Beweislast nach den allgemeinen Regeln über die Beweis-
last zu bestimmen. Diese vollkommen richtigen Aufstellungen hätten
bei der Schwierigkeit der Anwendung im einzelnen wohl durch
einige Specialisirung näher dargelegt und anschaulich gemacht zu
werden verdient. Uebrigens wollen wir nicht unterlassen, hier
auf die richtige Bemerkung Mittermaier's (Arch. f. Civ.-Prar.
Bd. 39. S. 390) aufmerksam zu machen, daß die sog. qualifi-
cirten Geständnisse die Hauptbedeutung nur in dem bisherigen
schriftlichen Verfahren hatten, weil es dem Anwalt leicht war, in
der Schrift eine Antwort so auf Schrauben gestellt zu geben und
mit Einreden vermischte Zusätze und Beschränkungen aufzustellen,
daß der Richter oft in Verlegenheit war, was er als zugestanden
betrachten durfte, während es bei der mündlichen Verhandlung
dem verständigen und energischen Richter leicht jeyn wird, die
qualificirten Geständnisse größtentheils zu beseitigen.
Als besonders interessant heben wir die Lehre vom ersten
Unheil S. 169— 187 hervor, worin die Arten der Urtheile,
deren mögliche Fehler und die Bestandtheile des Urtheiles auf das
erste Verfahren in sehr ausführlicher und praktischer Weise be-
sprochen werden. S. 194 wird der Satz näher erörtert und ge-
stützt auf §. 50 des jüngsten Reichsabschieds, dann Cap. 12 de
appellationibus in Ylto. (2. 12.) zu begründen versucht, daß
der irrelevante Beweissatz zu jeder Zeit müsse verworfen werden
können, weil bei ihm kein Rechtsbestand gedacht werden könne.
S. 223 ff. werden die Obliegenheiten des Richters während der
Beweisführung und nach beendigtem Beweisverfahren besprochen,
und hier namentlich bezüglich der Prüfung der Beweise und der
Erkenntnisse auf Eide manche sehr beachtungswerthe praktische
Winke gegeben; insbesondere wird der Grundsatz eingeschärft, bei
Prüfung der intensiven Vollständigkeit eines Beweises weniger die
Einzelnheiten abgesondert als vielmehr den Totaleindruck des Ganzen,
die gegenseitige Harmonie der einzelnen Beweisgründe zu berück-
sichtigen.
Aus dem Gebiete der summarischen Processe heben

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer