Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten. 247
auf lange hinaus einzelne Ueberreste von Kampf und Gottes-
urtheil sich erhalten, so sind diese doch immerhin nur als sparsame
Ausnahmen von der durch die gemeinsame Macht der Kirche und
der Städte sichergestellten Regel zu betrachten; nur in den Heren-
proceffen wird in Folge des Glaubens, daß der Teufel seine Schütz-
linge gegen die Tortur fest zu machen vermöge, der Gebrauch
zumal der Wasserprobe noch als ein regelmäßiger aufrecht erhalten.
Der Ersatz, welcher für die beseitigten Institute eintritt, ist übri-
gens je nach Verschiedenheit des Ortes und der Zeit ein verschie-
dener ; zum Theil muß der Eid und die Eideshülfe die entstandene
Lücke füllen, häufiger wird diese durch eine Erweiterung des
Zeugenbeweises gedeckt oder doch enger begränzt: in Dänemark und
Schweden, dann aber auch in England, rückt wesentlich das Ge-
schwornengericht in die offen gewordene Stelle ein; in Deutschland
aber muß als eventuellstes Auskunftsmittel die Tortur zu Hülfe
genommen werden, — ein Surrogat von kaum minder unver-
nünftiger, und jedenfalls von weit unsittlicherer Beschaffenheit als
dieß Kampf oder Gottesurtheil je gewesen war.
Wie verhält sich nun dieser Entwicklungsgeschichte des germa-
nischen Beweisrechtes gegenüber unsere Literatur? Sieht man
von den Compendien der deutschen Rechlsgeschichte ab, welche sich
meist mit der Zusammenstellung weniger trockener Quellenercerpte
begnügen, oder doch auf die wissenschaftliche Construction der zu-
sammengetragenen Notizen nur sehr geringe Mühe verwenden, so
beschränkt sich Nogge auf die Erörterung des ältesten Rechts, und
geht selbst mit den wenigen Andeutungen, welche er über spätere
Veränderungen desselben gibt, nicht über die karolingische Periode
herunter; von ihm ist demnach insbesondere über das zweite und
dritte Stadium in der Geschichte des Zeugen - und Eidhelfer-
beweises nichts zu lernen. Umgekehrt beschränken sich Albrecht,
Planck und Jolly auf die Darstellung des späteren Rechtes, wie
solches zumal im Sachsenspiegel und in den an ihn sich anschlie-
ßenden Rechtsquellen vorliegt, ohne in die ältere Zeit hinaufzu-
steigen; sie behandeln also im Hinblick auf ein einzelnes, bestimmt
abgegränztes Quellengebiet die beiden letzten Stadien in der Ge-
schichte jener beiden Beweismittel, lassen aber deren älteste Gestalt,
und damit auch den Uebergang aus dieser in die nächst spätere,
außer Ansatz. Demgemäß geben zumal die beiden ersteren eine

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