Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

234 Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten.
oder doch nicht mehr vollständig passen will. Ueber diese Ver-
änderungen hätten wir unS nun hier noch des Näheren zu äußern.
Nun ist aber klar, daß diese innerhalb der verschiedenen Stamm-
rechte auf wesentlich selbständigem Wege eintreten, und somit auch
zu wesentlich individuell gestalteten Ergebnissen führen mußten;
um in Bezug auf sie mit einiger Sicherheit ins Klare zu kommen,
wäre somit eine durchaus gesonderte Betrachtung der Entwicklung
jedes einzelnen Rechtsgebietes erforderlich. In dieser Richtung ist
indessen bisher leider nur sehr wenig gethan worden, und insbe-
sondere hat Sachße diesen allein richtigen Weg bei seinen Unter-
suchungen nicht eingeschlagen. Hier kann natürlich diesem Mangel
in keiner Weise abgeholfen, sondern nur versucht werden anzu-
deuten, Ln welchen Richtungen etwa hauptsächlich jene Umgestal-
tung vor sich gegangen sey.
Vor allem ist dabei hervorzuheben, wie sich der Zeugen-
beweis allmählich von seiner alten Grundlage, der Offenkundig-
keit, losmacht. Beim erwählten Zeugnisse läßt man bereits sehr
früh das Erforderniß der Beiziehung einer größeren Gesellschaft
von Leuten, unter welchen doch nur einzelne eigens als Zeugen
aufgerufen werden, fallen, und es ist nur eine reine Ausnahme,
wenn die schwedischen und die ostdänischen Rechte in der Verwen-
dung von Eidhelfern neben den Zeugen wenigstens für bestimmte
Fälle den Grundgedanken des älteren Rechts noch wahren im

*) Man hat wohl gemeint, diese Verbindung der Eidhülfe mit dem
Zeugenbeweise beruhe darauf, daß der objektive Charakter dieses letz-
teren einer Ergänzung durch ein subjektives Beweismittel bedurft habe
lKöstlin, Der Wendepunkt des deutschen Strafverfahrens, S. 211, wo
indessen die Bestimmungen der nordischen Rechte zum Theil unrichtig
wiedergegeben sind; ähnlich Sachße, S. 92-3). Mit Unrecht, denn
dann hätte dieselbe Ergänzung auch beim Dingzeugnisse eintreten müssen;
daß dieß nicht der Fall ist, zeigt, daß es sich um eine Verstärkung der
Glaubhaftigkeit, nicht um die Ausfüllung einer Lücke hinsichtlich des
Umfanges der Beweisführung handelt, und eben darauf weist nicht
minder bestimmt auch die Formel des Eidhelfereides hin, als welche
die subjective Wahrheit der Zeugenaussage, nicht des Parteieneides, zum
Gegenstände hat. In den Eidhelfern, welche den erwählten Zeugen folgen,
möchte vielmehr ein Aequivalent jener weiteren Versammlung stecken,
welche beim erwählten Zeugniß ursprünglich nöthig gewesen war. Hie-
für läßt sich anführen, daß auch in Island nur ein Zeuge das Zeugniß ablegt,

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