Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

216 Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten.
Im judicium Dei erblicken wir somit den letzten Schluß-
stein des altgermanischen Beweisverfahrens. Damit ist bereits
ausgesprochen, daß wir demselben einen acht germanischen Ur-
sprung beilegen, und die Ansicht derjenigen ablehnen zu müffen
glauben, welche dessen Entstehung erst in die christliche Zeit ver-
setzen und auf die Kirche zurückführen wollen, — eine Ansicht,
welche von Rogge sowohl sS. 203—4) als von Grimm (S. 909
bis 910) bekämpft, in etwas modificirter Fassung von Wilda
neuerdings wieder ausgenommen wurde (S. 480 — 2). Wilda
will dem Heidenthume, neben dem Kampfe, nur das Loos zuge-
stehen, welches bei den Franken und Friesen nachweisbar ist, und
zwar bei den letzteren in einer Gestalt, welche an des Tacitus
Bericht über das Orakel mittelst loosweise geworfener Runen-
stäbe lebhaft erinnert alle andern Proben dagegen, und zumal
das Eisentragen und der Kesselfang, gelten ihm als erst durch die

gestattet gegen Erläge bestimmter Taren die Reinigung durch Eidhelfer
sich zu erkaufen (L. Sal. 53 u. 56). Es erklärt sich inzwischen diese
Bestimmung, wenn man bedenkt daß gerade dieses Gesetz den Zwei-
kampf nicht kennt; die erweiterte Anwendung des Keffelfangs weist
augenscheinlich darauf hin, daß dieser an die Stelle des Duells getreten
ist, welches letztere so weiten Spielraum, wie unten nachgewiesen wer-
den wird, allerdings beanspruchen konnte. Wenn übrigens Unger in
seiner unten noch anzuführenden Schrift, S. 13, bemerkt, daß die
Gortesurtheile nur in Strafsachen angewandt worden seyen, so mag
dieß für die älteste Zeit richtig sepn; die von Walter, S. 718 Anmer-
kung 16—7 (vgl. S. 720) dagegen angeführten Beispiele reden, soweit
sie nicht erst einer viel späteren Zeit angehören, nur von der Kreuzes-
probe, von welcher Unger sehr richtig hervorhebt, daß sie lediglich ein
kirchliches Surrogat für den Zweikampf gewesen sey. Schon ziemlich
früh wird indessen, zumal in Statusfragen, das Gottesnrtheil in wei-
terem Umfang zugelassen.
0 Vgl. Homeyers schöne Abhandlung: Ueber das germanische
Loosen (Monatsberichte der Berliner Akademie der Wissenschaften, De-
cember 1853). Wenn übrigens Wilda annimmt, daß bei den Angel-
sachsen das Loosen als ein heidnischer Aberglaube verboten worden sey,
so dürfte diese Angabe denn doch zu berichtigen sepn. Statt on hlo-
tae lesen, Cnut. E. 5, die besseren Hss. 0» dlote, und eben so steht
Nordh pr. L. 48; daß die alte lateinische Uebersetzung an ersterer
Stelle ebenfalls in «orte hat, vermag die vereinzelte Lesart einer spä-
teren Hs. nicht zu stützen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer