Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

196 Das Beweisverfahren nach deutschen Rechten.
dieß ist von Rogge wie von Sachße nicht übersehen worden, nicht
minder zusammen der Beweis durch Urkunden. Schon ihr
Name weist auf diesen Zusammenhang hin; die Art ihrer Be-
nützung und die Geschichte ihrer allmählichen Ausbreitung bestätigen
durchaus den aus der Benennung zu ziehenden Schluß. Man
ging zunächst ein Geschäft wie gewöhnlich vor erwählten Zeugen
ein. und ließ dann durch einen gleichfalls beigezogenen cancel-
larius oder notarius, allenfalls auch durch einen beliebigen an-
deren des Schreibens Kundigen eine Aufzeichnung über den Vor-
gang anfertigen; oder es erfolgte auch wohl die Ausstellung der
Urkunde vor Gericht, oder es wurde doch deren sofortige Veröffent-
lichung nach der Ausstellung gefordert. Auch hier wurde demnach
die Offenkundigkeit des Vorganges gewahrt wie bei dem Gebrauch
erwählter Zeugen, und zwar auch hier wieder bald in schwächerem,
bald in stärkerem Maße; der Vortheil aber, welchen die Urkunde
gewährte, bestand theils darin, daß dieselbe xriina tacie die Zeugen
ersetzte, so daß auf diese und den Schreiber erst dann'zurück-
gegriffen wurde, wenn deren Aechtheit angefochten worden war,
theils auch darin daß deren Inhalt von dem Gedächtnisse der
Zeugen unabhängig gestellt war, theils endlich darin daß man
für den Fall, daß der Schreiber und die Zeugen bereits verstor-
ben seyn sollten, die Urkunde als selbständiges Beweismittel zuließ,
sey es nun daß man eine Führung des Aechtheitöbeweises mittelst
Handschriftenvergleichung gestattete, oder daß man den wegen
Fälschung angegriffenen Beweisführer zum Unschuldseide mit
Eidhelfern zuließ. Allmählich erst wurden die Urkunden zu voll-
kommen selbständigen Beweismitteln, nach der Regel des Schwaben-
spiegels an jegelicher hantveste hilft der tote gezuic als der
lebende, und es wiederholt sich demnach beim Urkundenbeweise
in seinem Verhältnisse zum erwählten Zeugnisse genau derselbe
Gang der Dinge, vermöge dessen der Beweis durch erwählte Zeugen
selbst, welcher anfänglich lediglich dem Augenscheine gerichtlicher
und anderer Versammlungen dienstbar gewesen war, aus dieser
Abhängigkeit sich emancipirt und allmählich zu selbständiger eigener
Geltung erhoben hatte.
Als zweites Hauptbeweismittel steht aber dem Zeugenbeweise
gegenüber der Parteieneid. 4) In den verschiedensten Anwen-

*) Eine in Deutschland viel zu wenig bekannte vortreffliche Arbeit

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