Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

zwischen Staat und Kirche.

179

selbst liegende Nöthigung und das wiederholt abgegebene Ver-
sprechen der Regierung. Wir verweisen in dieser Beziehung ins-
besondere auf die Aeußerung, mit welcher die officielle Zeitung
das Concordat bei seiner Publikation begleitete: „In dieser rück-
haltlosen Anerkennung der Rechte der katholischen Kirche liegt für
alle andern religiösen Genossenschaften des Kaiserstaats die sichere
Gewähr der ihrigen. Das Rechtsgefühl, das hier vorwaltete,
wird auch der Maßstab bei Regulirung ihrer Verhältnisse seyn,
und sie, welche mit anerkanntem gesetzlichen Bestand erprobt in
Treue und Anhänglichkeit an das regierende Haus den Schutz des
Gesetzes und den Schirm einer unparteiischen Regierung bean-
spruchen , werden sich in ihren Erwartungen nicht getäuscht finden.
Die Gleichheit vor dem Gesetze, das über alle sich erstreckende
gleiche bürgerliche Recht, die Unparteilichkeit der in entscheidenden
Kreisen vorwaltenden Anschauungen, endlich die ungehemmte Fest
stellung ihres inneren Organismus und der Schutz für dessen
Bestand gibt ihnen genügende Garantien eines ruhigen Fortbestandes
und einer ungetrübten Entwicklung." Erst wenn die Worte des
westphälischen Friedens (Art. V. §. 1) „Sit sequalitas exacta
mutuaque, ita ut quod uni parti justum est, alteri quoque
sit justum“ in Oesterreich und in unsern deutschen Staaten über-
haupt zur Wahrheit werden, hat der Staat die richtige Stellung
zur Kirche eingenommen, und ist er im Stande, der unparteiische
Schirmherr einer jeden Confession zu seyn und den Frieden unter
ihnen mit Erfolg aufrecht zu halten.
München im März 1857.

Pözl.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer