Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

160 Die neuere Literatur über das Verhältniß
Hiernach übte der Kaiser nicht bloß die Schutzpflicht in
Bezug auf die katholische Kirche, sondern auch solche Rechte
welche man damals wie heute als Ausflüsse der Oberaufsicht (in-
spectio saecularis) betrachtete, wie namentlich das Placet bei der
Publication und dem Vollzüge päpstlicher Bullen und Breven, die
Theilnahme an den Bischofswahlen, die Annahme von Recursen
wegen Verletzung kirchlicher Berechtigungen durch päpstliche Erlasse
u. s. w. (f. S. 66 — 68).
Noch ausgedehntere Befugnisse standen den Landesherren in
den einzelnen Theilen des Reiches zu. W. führt die deßfallsigen
Verhältnisse Oesterreichs, Preußens und Bayerns im 18. Jahr-
hundert näher auS, und weist nach daß die Kirchenhoheit in diesen
Staaten wie positiv begründet, so praktisch in unangefochtener
Wirksamkeit sich befand. Als Quelle, welche über das Verhältniß
zwischen Kirche und Staat entscheidet, wird daher nicht bloß das
corpus juris canonici, sondern es werden auch particula-re Rechts-
satzungen und Gewohnheiten, sowie landesherrliche Verfügungen
genannt und anerkannt. Kreittmayr, der Verfasser des bayeri-
schen Landrechls von 1756, äußert sich über diesen Punkt in den
Anmerkungen zum Landrecht (Th. I. c. 2. §. 4) in so bestimmter
Weise daß wir seine Worte hier anführen wollen: „die Regel,
daß das canonische Recht in den Sachen zu gelten habe, welche
zugleich in das Gewissen mit einschlagen, lasse man quoad, forum
internum bei ihrem Werthe; quoad externum gehe sie ein
wenig zu weit, denn am Ende schlage alles Recht, was das Mein
und Dein betreffe, ins Gewissen ein. Es werde vielmehr das
geistliche Recht nur noch in geistlichen Sachen und soweit die Ob-
servanz oder Concordata mit einstimmen, bei uns beobachtet."
Aus Grund dieser in anerkannter Geltung stehenden Rechts-
titel hatten die Landesherren im Wesentlichen in allen Territorien
gleiche Rechte gegenüber der Kirche, wie namentlich das Placet,
die Bestimmung über die Verhältnisse der Geistlichen, dann über
die Bedingungen der Zulassung zu kirchlichen Aemtern irn Lande,
die Mitwirkung bei der Handhabung der bischöflichen Disciplinar-

seits den Mangel an Form und Verarbeitung des Stoffes, sowie die
nicht leicht in irgend einem Druckwerk so zahlreich vorkommenden Druck-
fehler.

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