Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

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Kurze Anzeigen.

die Verfasser ihr Werk in folgende Abschnitte zerfallen: vom
Zinswucher im allgemeinen S. 85. Rechtsgeschichte des Zins-
wuchers 96. Rechtsbegriff des Zinswuchers S. 125. die Bedenken
bezüglich der Beweisführung über den Zinswucher S. 162.
Moderne Gesetzgebungen gegen den Mucker S. 174. Wucher-
casuistik S. 190. Praktische Wirkungen der Wuchergesetze S. 205.
Schlußfolgerungen und Reformvorschläge S. 220.
Sehr richtig sagen die Versasfer der S. 88, daß nur wenige
Menschen geneigt seyen ein gegebenes Gesetz zu übertreten, und der
Strafe desselben sich auszusetzen, und daß daher durch die Wucher-
gesetze das Geschäft des Ausleihens in die Hände von unedlen
Menschen, welche allerdings die Roth ihrer Mitmenschen miß-
brauchten, gerathen müsse; solche Menschen seyen in der That
Wucherer; aber niemand schaffe sie als das Gesetz selbst, welches
alle ehrbaren Leute von dem Geschäfte des Geldverleihens ver-
scheuche.
Außerdem aber kann bei eintretenden Geldkrisen das Geld
so gesucht seyn, daß, selbst wenn der Darleihende weder das Risico,
noch den Umstand, in Anschlag bringt, daß er bei dem Ausleihen
an Privatpersonen nicht io bald wieder über sein Capital ver-
fügen kann wie bei Staatspapieren, er ohne Schaden nicht zu
dem gesetzlichen Zinsfuß ausleihen kann. Wenn 5procentige Staats-
papiere, die jedenfalls eine bessere Garantie als Schuldscheine der
Privaten bieten, unter Pari stehen, so kann man niemanden zu-
muthen Capitalien zu 5 Procent zu verleihen.
Bei geringeren Summen, und auf kürzere Zeit steht, abge-
sehen von dem Risico, überdieß der gesetzliche Zinsfuß außer
allem Verhältniß zu der Mühe und den Umständen, welche das
Darleihen dem Darleihenden verursacht. Es sucht z. B. jemand
zu einer vorzunehmenden Reise oder zu anderen Zwecken ein Dar-
lehen von 25 — 30 fl. auf 3 — 4 Wochen. Der gesetzliche
Zinsfuß von diesem Gelde würde auf diese Zeit 5 — 7V2 kr. be-
tragen : wer dem Darlehnsuchenden nicht aus Wohlwollen oder
Freundschaft Helsen will (und wer diese Gesinnungen hegt, wird
in einem solchen Falle keine Zinsen nehmen), wird sich gewiß nicht
durch einen solchen Zinsenbetrag zur Hingabe des Darlehns be-
stimmen lassen.

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