Full text: Volume (Bd. 5 (1857))

96 Die Grundzüge der preußischen Hypothekarverfassung ic. rc.
bürgerlichen Gesetzbuchs für Sachsen denselben ausdrücklich ausge-
merzt hat. Vielmehr setzt er sich dadurch, wie schon ander-
wärts nachgewiesen ist (Krit. Ueberschau I. S. 369 fg.), nicht
nur mit dem Leben, sondern auch mit sich selbst in Widerspruch,
und eigentlich ist es nur eine Selbsttäuschung, wenn er das söge*
nannte natürliche Eigenthum völlig zu Grabe getragen zu haben
glaubt.
ES fragt sich nun noch wie die Wirkung der Eintragung und
deren Unterlassung dritten Personen gegenüber zu bestimmen sey?
Soll das öffentliche Buch seinen Zweck erfüllen, so muß aller-
dings derjenige, welcher mit dem als Eigenthümer noch eingetra-
genen im Vertrauen auf jenes sich in ein Erwerbsgeschäft einge-
lassen hat, dem nicht eingetragenen Erwerber gegenüber gesichert
seyn, und hier ist es, wo sich das bürgerliche (oder bücherliche)
Eigenthum als das mächtigere Recht gegenüber dem oben entwickel-
ten natürlichen Eigenthum bewähren muß. So ist es denn auch im
österreichischen Recht und dem ihm nachgebildeten sächsischen Ent-
wurf, wie schon im bisherigen sächsischen Recht, anerkannt. Aber
dabei entsteht noch die Frage, welchen Einfluß das Wissen des
später eingetragenen um den früheren (natürlichen) Erwerb des
andern auf die Wirksamkeit seines Rechts ausübe? Der sächsische
Entwurf (§. 349) entzieht ihm die Wirksamkeit gegen den andern,
wenn jener bei Abschluß des Geschäfts „schon kannte oder ver-
muthen mußte, daß einem andern aus einem früheren Titel ein
Recht auf die Sache zustehe". Und dieses entspricht auch gewiß
der Billigkeit, wenngleich gegen die Fassung des 8. und Motive dazu
etwas einzureden ist (Wächter über den Entwurf S. 70 Anm.
39). Jener §. ist freilich auch materiell getadelt worden, als auf
einer Ansicht beruhend, „welche nur einen falschen Schein der Sitt-
lichkeit für sich hat" (Unger über denselben Entwurf S. 198).
Gr geht allerdings weit, indem er dasselbe Princip, sowohl in Be-
ziehung auf den früher erlangten Besitz bei beweglichen Sachen,
als in Beziehung auf den zuerst erwirkten Eintrag bei unbeweg-
lichen Sachen, überall anwendet, wo nur ein dem Erwerber bekann-
ter obligatorischer Anspruch des anderen auf Uebertragung des
EigenthumS vorher begründet war. Daß im ersten Fall der erste
Besitzerwerber das Eigenthum erlangte, ist nach römischem Recht
nicht zu bezweifeln (L. 31. §. 2. D. de act. emti.). Darüber,

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