Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

86

Die neuere kirchenrechtliche Literatur.

Die Deutung dieser Worte auf den Bischof weist er zurück,
weil ihr die vorangehenden Worte clericum idoneum auf das be-
stimmteste entgegenstehen, da der Bischof einen für fähig befunden
nen Präsentirten niemals zurückweisen dürfe, wie aus einer Ent-
scheidung Jnnocenz III. c. 29 X. desselben Titels hervorgehe.
Herr Dr. Gerlach dagegen bezieht die Worte eo (sci!, cle-
rico) non refulato auf den Bischof, und bemerkt, daß dieser nach
der angeführten Entscheidung Jnnocenz III nur dann sträflich
handle, wenn er dem fähigen allein präsentirten Cleriker malitiöser-
weise die Institution versage, nicht aber, wenn er einem zweiten
Vorschläge den Vorzug gebe, ohne jedoch den zuerst präsentirten
als untauglich zurückgewiesen zu haben.
Referent deutet die Stelle gleichfalls dahin, daß eine varia«
tio cumulaiiva des Laienpatrons in ihr enthalten sey, und es stch
um das Wahlrecht des Bischofs zwischen zwei oder mehreren taug-
lichen handle. Würden die Worte clericum idoneum im vorlie-
genden Falle eine collatio necessaria von Seite des Bischofs
nach stch ziehen, wie Herr Schilling meint, so könnte ja das doch
unbestrittene Recht der Nachpräsentation von Seite des Laienpa-
trons überhaupt nicht stattfinden.
Das sechste Buch des Walter'schen Kirchenrechteö handelt von
dem Vermögen der Kirche in vier Capiteln, in welchen die Ge-
schichte des Kirchengutes, das Kirchengut im allgemeinen, die
Pfründen und die Kirchenfabriken näher besprochen werden. Re-
ferenten ist bei der Behandlung derselben nur aufgefallen, daß der
Verfasser das kirchliche Besteuerungsrecht nicht mit der Lehre vom
Kirchenvermögen verbunden, sondern im vorhergehenden Buche an
die kirchliche Gerichtsbarkeit angereiht bat.
Das siebente Buch handelt von dem kirchlichen Leben. Es
zerfällt in sechs Capitel und bespricht die heiligen Handlungen im
allgemeinen, den Eintritt in die Kirche, das gottesdienstliche Le-
ben, die Ehe, den christlichen Tod und die besonderen kirchlichen
Anstalten.
Der größte Theil dieses Materiales wäre richtiger dem vier-
ten Buche zugetheilt worden, wo der Herr Verfasser die Verwal-
tung der heiligen Handlungen bereits eingereiht, aber, wie schon
bemerkt wurde, nur mit einigen höchst allgemeinen Bemerkungen
bedacht hat.

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