Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

54 Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.
Diese letztere Bemerkung führt von selbst zur Betrachtung
der letzten Classe von Verbrechen, nämlich der büß losen Tha-
ten, hinüber. Wir haben aber bereits Gelegenheit gehabt zu
bemerken, daß der Gegensatz der sühnbaren und der unsühnbaren
Verbrechen sich im angelsächsischen Rechte nicht mit aller Scharfe
durchführen lasse, indem zwischen den unbedingt sühnbaren und
den unbedingt bußlosen Handlungen noch eine dritte Classe von
bedingt bußwürdigen Thaten in Mitte stehe; wir dürfen dieser
Bemerkung noch die weitere Behauptung hinzufügen, daß auch
diese Mittelclasse ihrerseits weder nach der einen noch der andern
Seite sich scharf abgranzen lasse. Einerseits nämlich steht dem
Könige ein unbeschränktes Begnadigungsrecht zu, und wo immer
ein Friedensbruch begangen ist, „hat er Gewalt über den Frieden;" *)
ja es scheint sogar ein für allemal hergebracht gewesen zu seyn,
daß demjenigen, welchem es glückte ein höher befriedetes Asyl
zu erreichen, die Todesstrafe erlassen wurde, welches auch sein Ver-
brechen gewesen seyn möge.* 2) Jnsoferne ist also kein Verbrechen
absolut bußlos, und die Bezeichnung einzelner Thaten als unsühn-
barer ist nur dahin zu verstehen, daß bei denselben die Begnadi-
gung nur sehr ausnahmsweise stattfinden sollte, während dieselbe
in anderen Fällen nicht leicht verweigert zu werden pstegte. An-
dererseits steht, nicht zwar bei den Rechtsbrüchen,3) aber doch bei
den sühnbar gewordenen Friedensbrüchen, für den Fall der nicht
gehörigen Zahlung der Composition hinter dieser von Anfang an
immer noch die Friedlosigkeit, und nachdem das Recht den Fried-
losen zu tödten, primär in das Recht denselben gefangen zu nehmen
und an die Behörde abzuliefern sich verwandelt hatte, die Todes-
strafe; es sind demnach auch die Verbrechen dieser Kategorie nicht
in dem Sinne absolut sühnbare, daß durch sie in keinem Falle
mehr als ein Sühngeld verwirkt werden könnte. In der Mitte
zwischen beiden Extremen stehen dann erst noch die zahlreichen

*) Cnut. 8. §. 13; vgl. aber auch bereits In. §. 36 u. dgl. m.
2) In. §. 5; Aedhlr. VII, §. 16; IX, Z. 1 — 2; Cnut. E. §. 2.
3) Bei diesen kann im äußersten Falle, wenn der Verbrecher weder
selber zahlen noch Jemanden finden kann, der für ihn zahlt, Erecution
in seine Person eintrete», d. h. er wird zum witetheow gemacht; vgl.
Eadw. §. 9 und Bd. I, S. 409.

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