Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.

allemal sein bestimmtes Wergeld; auch hier bildet sich wieder durch
Zerfällung der Wergeldssumme in Bruchtheile ein verschiedentlich
gestalteter Tarif für die verschiedenen schwereren, aber doch noch
immer sühnbaren Verbrechen. Das einfache Wergeld des Gemein-
freien betrug aber nach westsächstschem, und wohl auch bereits
nach altem kentischem Rechte, *) 200 Schillinge; nach northum-
brischem Rechte betrug dasselbe 266* 2/3 Thrymsen, also 160 west-
sächsische Schillinge, und ebenso hoch belief sich der Ansatz nach
merkischem Rechte, nur daß derselbe sich hier in einer Summe
von 200 merkischen Schillingen darstellt. Das Wergeld des eorl
scheint nach kentischem Rechte 600 Schillinge, also das Dreifache
des Freienwergeldes betragen zu haben, von einem Königswergelde
aber erfahren wir hier nichts; in Northumberland erhält der eorl
wie der Angehörige des Königshauses selbst 15,000 Thrymsen,
oder 9000 westsächsische Schillinge, der König aber das Doppelte,
und es verhalten sich somit eeorl. eorl und König wie 1:56:
112. Das Königswergeld in Merkien beträgt 240 Pfund und
verhält sich somit zum Freienwergelde wie 72: 1; hier fehlt dage-
gen die Angabe betreffs des eorl. Ebenso hoch scheint endlich der
Ansatz bei den Westsachsen gewesen zu seyn, da König Ine von
den Kentern für seinen erschlagenen Bruder, also einen ätheling,
30,000 Pfenninge — 6000 Schillinge oder 120 Pfund erhielt;2)
hier war demnach das Verhältniß zwischen ceorl und König wie
1:60. Daß zwischen dem Gemeinfreien und dem eorl oder äthe-
ling der cyninges thegn, welchem der Priester gleichftand, mit
1200 Schillingen bei den Westsachsen, mit 1200 merkischen oder
960 westsächsischen Schillingen in Merkien, endlich mit 2000
Thrymsen oder 1200 weftsächstschen Schillingen in Northumber-
land sich einreiht, daß über ihn noch einzelne höhere kirchliche und
weltliche Beamte treten, während unter ihm nach westsächstschem

*) Ueber dieses letztere vgl. Aedhelb. §. 21; Hlodhh. und Eadr.
§. 1 - 4; Kemble gesteht dagegen dem kentischen eeorl nur in Wer-
geld von 180 Schillingen zu, nimmt aber freilich den kentischen Schil-
ling, den wir dem westsächsischen für gleich halten, als weit höher an.
Beidem scheint eine unrichtige Deutung der einschlägigen Quellenstellen
zu Grunde zu liegen.
2) Chron. Anglos. a. 694.

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