Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Ueber angelsächsische Rechtsverhältnisse.

47

für alle an den Verletzten zu machenden Zahlungen die Buße im
engeren Sinne, die m u n d oder m u n d b y r d. Das Wort bezeich-
net zunächst den persönlichen Schutz und Frieden, dessen jemand
genießt und den er den Seinigen mittheilt, dann aber auch die
für dessen Verletzung zu entrichtende Zahlung; der Betrag der
Mund stuft sich je nach dem Stande des Einzelnen verschiedent-
lich ab, und durch die Theilung oder Vervielfältigung der für
einen jeden Stand angesetzten Grundzahl entwickelt sich überdieß
ein sehr mannichfaltiger Tarif für die Sühnung der verschiedenen
leichteren und schwereren Uebertretungen. In den alten Kenti-
schen Gesetzen beträgt die einfache Buße deö eeorl, des eorl
und des Königs 6, 12 und 50 Schillinge; *) später sind nicht
nur die Standesverhältnisse und damit auch die Bußsätze viel
mannichfaltiger geworden, wobei nicht immer die Abstufung der
letzteren gleichmäßig durchgeführt wurde,* 2 *) sondern es macht sich
auch in den Grundzahlen selbst ein Schwanken bemerklich zwischen
einem älteren Duodecima!-, und einem neueren Decimalsysteme,^)
und überdieß scheinen sich die sämmtlichen Bußsätze mit der Zeit
erhöht zu haben. Am auffallendsten und zugleich für uns am
bedeutsamsten macht sich diese Steigerung, dem raschen Wachs-
thum des Königthums entsprechend, bei der Königsbuße geltend;
schon nach König Aelfreds Gesetzen wird deS Königs burgbryce
mit 120 Schillingen gebüßt, des Königs borhbryeo oder munä-
byrd aber beträgt vollends 5 Pfund oder 240 (250) Schillinge,4)
und diese Ansätze bleiben fortan bestehen. — Für einen andern
Theil der sühnbaren Friedensbrüche bildet dagegen die Grundzahl
der für den einfachen Todtschlag zu entrichtende Betrag, das wer-
gyld, leodgild, d. h. Mann - oder Leutegeld (auch wohl
abgekürzt: wer, leod). Auch die Höhe dieser Zahlung ist, wie
die der Buße, nach dem Stande verschieden abgestuft, und jeder
Stand, den König nicht ausgenommen,5) hat hiernach ein für

*) vgl. Aedhelb. §. 8 und 15, ferner §. 13 — 4, mit §. 5, 10,
16—7; dann auch Wihtr. §. 2.
2) »gl. z. B. Aelfr. §. 39 — 40 mit §. 10, 18, 29 - 31, und mit
lo. §. 70.
5) vgl. z. B. Aelfr. §. 39 mit §. 40.
“) Aelfr. §. 3 und 40; In. §. 45; vgl. Aedhelr. VII, §. 11.». f. w.
5) Werg. §. l; Mere. L.; vgl. Aelfr. §. 4; Aedhelr. V, §. 30; VI, §♦ 37.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer