Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

44 Heber angelsächsische Rechtsverhältnisse.
Geltung gefunden hätten; daher mochte es immer noch seine
Bedeutung haben, wenn den angesehenen Männern im Volke zur
besonderen Pflicht gemacht wurde, allen Fleiß auf die Vermittlung
der Fehden zu wenden, *) und das dem Könige, den Kirchen und
der gesummten Aristokratie zustehende gesteigerte Asylrecht mochte
vielfach derartigen Bemühungen eine wirksame Stütze gewähren.
Ausführlich wird das Verfahren beschrieben, wie vom Todtschläger
erst durch einen eigenen Bevollmächtigten die Zahlung anzubieten
ist, wie sodann ein Waffenstillstand geschloffen wird, damit dieser
seinen Gegnern persönliches Pfand und Bürgschaft für deren Entrich-
tung bestellen könne, wie dann des Königs Frieden (cyninges mund)
unter den Betheiligten aufgerichtet wird, und in welchen Fristen
die Zahlung zu erlegen ist.* 2 3) Wir dürfen aus dieser Schilderung
schließen, daß auch bei den Angelsachsen die Wergeldszahlungen
ursprünglich lediglich durch die Willkür der Parteien eingeführt,
und erst später, zu fester Sitte erwachsen, in das Landrecht aus-
genommen wurden.
Die Fried losigkeit also und das durch sie bedingte F e h d e-
recht bildet in den uns vorliegenden Gesetzen der Angelsachsen
längst nicht mehr die Grundlage des strafrechtlichen Systems; an
deren Stelle ist aber, wie nach dem über den allgemeinen Gang
des germanischen Strafrechts Bemerkten nicht anders zu erwarten
ist, theils das Com Positionensystem, theils aber auch ein
System von wahrenStrafen getreten. Dabei ist das erstere
in den älteren Gesetzen entschieden das vorherrschende, während die
späteren Quellen eine allmählich steigende Präponderanz des letz-
teren erkennen lassen. Der Zweiheit dieser Systeme entsprechend
sind nunmehr alle Verbrechen entweder sühnbar (botwyrdhe,
d. h. bußwürdig), oder unsühnbar (holte, bußlos); die
ersteren bilden dabei in der älteren Zeit die bei weitem überwie-
gende Mehrzahl, mit der Zeit aber dehnt sich theils der Kreis der

1) Eadm. 8. §. 7.
2) Eadw. und Gudhr. §.13; Eadm. 8. §. 7.
3) Eadg. II, §. 2.
») z. B. ^edbelr. IX, §, 1; Cnut. E. §. 2; Cnut. 8. §. 65. Mit
Recht hebt bereits Palgrave, II, 204, diesen Gegensatz scharf hervor;
nur sollte dabei nicht übersehen werden, wie wenig im Einzelnen die
Gränzen beider Verbrechensclassen sich auseinanderhalten lassen.

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