Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Die Recht sichre an der Wiener Universität, rc. Mg
wofür noch 1760 Hugo Grotius' bekanntes Buch als Lehrbüch
vorgeschrieben ward, bis später Martini'S Lehrbuch Eingang fand.
Erst dieses Naturrecht, und dann, ohne eine Brücke über die weite
Kluft, mit einem Sprunge in die praktische Gegenwart des dama-
ligen Oesterreich — welcher 8slto mortale! Welche erorbitante
Erscheinungen diese dem historischen Rechte und darum auch dem:
Studium der Rechtsgeschichte, vor allem aber dem Kirchenrecht
feindliche Raturrechtslehre herbeiführte, davon gibt uns der Ber
fasser S. 69. sg. ein Beispiel in einigen 1789 nach vorgängiger
Censur aufgestellten Streitsätzen, unter andern: „die bürgerliche
Oberherrschaft gründet sich unmittelbar aus den Unterwerfungs-
vertrag;" -- „der Monarch, der sich mit vorsätzlichem und thäti-
gem Willen über das gemeine Beste hinwegsetzt, ist Tyrann,
wider den sich daS Volk vermöge seiner Grundgewalt schützen
kann;" — Streitsätze, von denen doch selbst Joseph II. urtheilte,
daß sie „bei dem gegenwärtigen ohnehin fast allgemeinen Schwin-
del für Freiheit und Unabhängigkeit eine dem Staat gefährliche
Auslegung erleiden," daher er dem Präses der Studiencommission
empfahl, darob zu seyn, „daß künftig bei Conferirung derlei Sätze
eine wahre Behutsamkeit gebrauchet werde." Im Wesentlichen
blieb dieses System auch später noch bis in die neueste Zeit be-
stehen, ja es wurde seit 1810, wie der Verfasser Seite 74 sagt,
in erclusivster Weise durchgeführt, nur mit dem Unterschied, „daß
dessen verletzende Formen und Ueberschwänglichkeiten des äußern
Gebahrens vermieden und gegen die Kirche die I)«bor8 beobachtet
wurden." Bis 1807 wurde doch noch, wegen der Beziehungen
zum Reiche und mit besondrer Rücksicht auf den Diensteseintritt
beim Reichshofrath, deutsche Reichsgeschichte, deutsches Staats-
recht nebst der sogenannten Reichspraris gelehrt, und in diesen
Fächern war wenigstens noch ein rechtshistorisches Element gege-
ben; nun aber wurden diese Lehrkanzeln aufgehoben und damit
„alle geschichtlichen Bestandtheile aus der juridischen Lehre ent-
fernt." Es blieb an der Spitze nach wie vor das Naturrecht —
„der Lehrer des Naturrechts war der einzige Sprecher in Sachen
der Wissenschaft und hatte ein um so größeres Monopol, nachdem
seit 1807 auch mit den letzten Ueberresten geschichtlichen Stoffes
aufgeräumt war" S. 75.; — daran, ohne alle Vermittelung durch
geschichtliche Darstellung, schloß sich die Lehre des positiven öfter-

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